Von Blutspuren auf dem Revier bis zur Asche im Museum...

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Cover & Gestaltung:
Das Cover hat mich sofort angesprochen und ist super modern und geheimnisvoll. Man sieht eine junge Frau mit geflochtenen Haaren, kombiniert mit farbigen Störungseffekten. Das verleiht dem Ganzen direkt etwas Beklemmendes, Mediales und Nervenaufreibendes. Schon nach dem Lesen des Klappentextes war mir sofort klar, warum diese digitalen Störsignale so auf den Punkt gewählt sind. Sie verbildlichen perfekt den Social Media Fokus der Geschichte, den viralen Shitstorm und wie ein Leben durch die Medien verzerrt wird. Das Bild der braven Odette bekommt im wahrsten Sinne des Wortes Risse, als der Mord live im Netz geschieht.

Schreibstil & Atmosphäre:
Der Schreibstil hat mich ab der allerersten Zeile total gepackt. Die Autorin schafft eine unglaublich dichte, beklemmende Atmosphäre, die extrem neugierig macht. Besonders der Kontrast zwischen den Zeitebenen gefällt mir sehr gut. Der Einstieg in der Gegenwart auf der Polizeiwache ist extrem beklemmend, man spürt förmlich das Adrenalin, die Stille im Raum und die blanke Angst von Cat, als dieses blutüberströmte Mädchen sie stumm anschreit. Der Sprung 14 Monate zurück zu Odette ist dann erzählerisch ganz anders, aber mindestens genauso stark. Dieser feine, etwas schräge Humor und die nüchterne, tragikomische Sichtweise von Odette auf ihr Leben gehen richtig ans Herz. Wie sie die skurrile Beerdigung ihrer Mutter mit Weihrauch, Schawarmageruch, Husten zum Lied "You Raise Me Up" und dem Fließband im Krematorium beschreibt, ist absolut einzigartig erzählt.

Charaktere & Erwartungen:
Die Charaktere wirken jetzt schon unglaublich authentisch. Cat tat mir in der Szene am Anfang sofort leid, man spürt richtig ihre Überforderung beim Putzen, als die Situation mit dem gefesselten Mädchen so plötzlich eskaliert. Und Odette habe ich direkt in mein Herz geschlossen. Sie ist so berührend naiv und gleichzeitig pragmatisch. Ihre kleine ToDo Liste auf der Rückseite des Busfahrplans zeigt so treffend, wie einsam sie ist und wie sehr sie versucht, ein normales Leben aufzubauen, ohne so zu enden wie ihre Mutter. Auch die Begegnung im Museum mit dem eleganten älteren Amos, wo sie die Asche ihrer Mutter auf den Füßen des Pharaos verstreut, zeigt ihre ganz eigene, liebevolle Logik. Ich erwarte von dem Buch ein richtig tiefgründiges, emotionales und gleichzeitig extrem spannendes Verwirrspiel.

Warum ich weiterlesen möchte:
Ich muss einfach wissen, wie all diese Fäden zusammenlaufen! Wer ist das verstörte, blutverschmierte Mädchen in dem blauen Kleid, das Cat so unheimlich anstarrt? Und vor allem, welche Rolle Odette in diesem ganzen Rätsel spielt. Der Buchtitel deutet ja schon an, dass jemand zum meistgehassten Mädchen wird, aber Odette wirkt in den Rückblicken so nahbar, bemüht und verletzlich. Was passiert in den 14 Monaten zwischen der Beerdigung, der Asche-Aktion im Museum und dieser blutigen Szene auf dem Revier? Ich würde gerne in diese Welt eintauchen, Theorien spinnen und Kapitel für Kapitel herauszufinden, was wirklich geschehen ist.