Drama statt Thriller, das grundsätzlich originell ist, aber an einer unrealistischen Umsetzung scheitert

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schnaeppchenjaegerin Avatar

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Nachdem ihre Mutter verstorben ist, ist die 19-jährige Odette auf sich alleingestellt. Soziale Kontakte hat sie beim Arbeitsamt, wenn sie mit ihrer Sachbearbeiterin spricht und diese schon bald als Freundin empfindet. Ihre einsamen Stunden verbringt Odette in einem Museum, wo sie den älteren Herren Amos kennenlernt. Amos, der geschieden ist und keinen Kontakt zu seinen Kindern hat, freut sich, dass sich ein Mädchen für ihn interessiert und bietet ihr als väterlicher Ratgeber seine Unterstützung an. Ihre ungewöhnliche Freundschaft geht viral und schon bald haben sie mit simplen Videos aus ihrem Leben Zehntausende Follower auf TikTok.
Ihr letzter Livestream zeigt, wie Odette blutüberströmt auf den wehrlosen Amos einschlägt. Sie wird wegen Mordverdachts verhaftet und schweigt beharrlich. Unter den Augen der Öffentlichkeit ist der Druck auf die Polizei enorm, die Tat aufzuklären. Wie konnte Freundschaft in Hass umschlagen?

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert das "Zuvor" aus der Sicht von Odette, die naiv und im Alltag unbeholfen wirkt. Mit Amos findet sie einen höflichen und souveränen Mann, der ihr in der Not unter die Arme greift. Selbstlos?
Das "Jetzt" beginnt mit der Ingewahrsamnahme der blutverschmierten Odette und wird aus der Perspektive des ermittelnden Polizisten Roger erzählt.

Obschon man ausgehend vom Mord und dem reißerischen Klappentext einen Thriller erwarten könnte, ist das Buch vielmehr ein verstörendes Drama über soziale Isolation, Manipulation und (Macht-)missbrauch. Sehr früh ist offensichtlich, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, weshalb sie weniger spannend als gedacht ist. Auch der Aspekt von "Social Media als Gerichtssaal" ist weit weniger relevant.

"Most hated girl" (Im Original "We know what you did" - Warum ein neuer englischsprachiger Titel?) wird unglücklicherweise als Thriller vermarktet und weckt damit Erwartungen, die der Roman nicht erfüllen kann. Die kurzen Kapitel und schnellen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sorgen für Dynamik und lassen immer noch ein weiteres Kapitel lesen. So wie ganz Schottland eine Erklärung verlangt, blickt man auch als LeserIn gebannt darauf, wie die Situation derart eskalieren konnte.
Die Geschichte ist mit dem Bezug auf Social Media zeitgemäß und relevant, aber längst nicht alles fühlt sich realistisch an - angefangen vom großen Online-Interesse an Amos und Odette, über die Angestellte im Arbeitsamt, die sich als Sozialarbeiterin entpuppt, die Verwandte, die sogar in Australien auf die Videos aufmerksam wird oder die Großmutter, die in unmittelbarer Nähe erscheint.

Der Plot ist grundsätzlich originell, aber mehr mitleiderregend als spannend und leidet in der Umsetzung unter zu vielen weit hergeholten Elementen.