Druck, Machtspiele, Geheimnisse und nichts ist wie es scheint

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leopol Avatar

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Die neunzehnjährige Odette lernt durch Zufall den achtzigjährigen Amos bei einem Museumsbusch kennen und freundet sich langsam mit ihm an. Dankbar, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Anschluss findet. Schließlich zieht sie aus der Sozialwohnung zu ihm und teilt Videos über das Zusammenleben in den Sozialen Medien. Während eines Livestreams attackiert die junge Odette Amos, den Mann, der sie bei sich aufgenommen hat. Für die Öffentlichkeit scheint der Fall durch den Livestream eindeutig zu sein. Doch warum schweigt Odette beharrlich, als sie von der eintreffenden Polizei auf die Wache gebracht wurde. Welches Motiv hat sie, was ist passiert.

Die Erzählung wird in zwei Zeitebenen präsentiert – der Gegenwart in der Odette auf der Polizeiinspektion einvernommen werden soll, und der Vergangenheit zuvor, die dem Leser zeigt, wie es zur derzeitigen Situation kam. Die Kapitellänge ist passend, um immer wieder die Perspektive zu wechseln und gewisse Geschwindigkeit aufzubauen. Allein im Mittelteil war es für mich etwas langatmig. Der Schreibstil ist flüssig und schafft es gut die zunehmend unheimliche Stimmung der Situation auf den Leser zu übertragen.

Die Charaktere erscheinen in ihren Handlungen und Dynamik zueinander nachvollziehbar. Odette, die durch den Lebensstil ihrer Mutter etwas Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat. Erstaunlicherweise erscheint sie dennoch sehr positiv, wenn auch etwas eigenwillig und naiv. Ihre kindlichen Ansichten und das Sehnen nach Freundschaften, die sie in der Vergangenheit nie schließen konnte, erscheinen authentisch und man erkennt, dass sie im Laufe der Zeit Amos gegenüber entspannter wird. Zu Amos selbst lässt sich wohl nicht zu viel schreiben, ohne zu viel der Geschichte preiszugeben. Gelungen fand ich auch die Ermittler: Roger und Esther. Ein Duo, das sich im Zuge der Ermittlungen findet und man irgendwie auch ins Herz schließt. Denn es ist hart: sie werden durch die Öffentlichkeit und die eigenen Vorgesetzten unter Druck gesetzt wird, rasch Ergebnisse in diesem scheinbar eindeutigen Fall zu liefern.

Das grundlegende Thema der Erzählung könnte nicht aktueller sein – wie rasch glauben wir uneingeschränkt Bilder und Erzählungen, die uns in den Sozialen Medien präsentiert werden. Wie schnell schaukelt es sich hier zum Hass und Verfolgung auf. Vieles wird gekürzt und vereinfacht präsentiert. Doch was steckt hinter dieser Fassade. Wie schnell kann die Stimmung kippen (dargestellt auch durch die Sozialmedia Posts im Innenteil des Covers).

Ein Roman bzw. psychologischer Thriller, wobei ich ihn eher bei psychologischem Roman einordnen würde, der wichtige Themen aufgreift. Vielleicht etwas anders als ich erwartet habe, aber dennoch finde ich das Buch empfehlenswert.