Klug, tiefgründig und alles andere als langatmig

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kermeliest Avatar

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Schon das farbenfrohe Cover von „Most Hated Girl“ hat mich sofort angesprochen. Es ist eines dieser Cover, bei denen ich auch im Buchladen stehen bleiben und das Buch in die Hand nehmen würde. Tatsächlich war es auch mit ein Grund dafür, dass ich mich um ein Rezensionsexemplar beworben habe.

Und zum Glück konnte mich der Inhalt genauso überzeugen. Der Schreibstil von Kirsty Lockwood hat mich direkt abgeholt und ich war sehr schnell mitten in der Geschichte. Die 19-jährige Odette soll während eines Livestreams den über 80-jährigen Amos getötet haben. Für die Öffentlichkeit scheint damit alles klar zu sein: Odette ist schuldig. Doch ist die Wahrheit tatsächlich so einfach?

Besonders gelungen fand ich, wie sich nach und nach ein immer vollständigeres Bild ergibt. Die Handlung war für mich durchweg schlüssig und manches hat mir beim Lesen regelrecht die Haare zu Berge stehen lassen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, was tatsächlich passiert ist, sondern auch darum, wie schnell Menschen aufgrund weniger Bilder und Informationen urteilen. Social Media, Vorverurteilungen und Manipulation spielen eine wichtige Rolle und geben der Geschichte eine Tiefe, die ich so zunächst gar nicht erwartet hatte.

Odette ist zudem eine außergewöhnliche Figur, bei der es sich lohnt, genauer hinzusehen. Gerade das hat für mich sehr gut zu einem Buch gepasst, das immer wieder zeigt, dass der erste Eindruck eben nicht unbedingt der richtige sein muss.

Interessant finde ich, wie unterschiedlich „Most Hated Girl“ wahrgenommen wird. Ich habe mehrfach gelesen, dass die Geschichte als langatmig empfunden wurde. Dieses Gefühl hatte ich überhaupt nicht. Für mich war es ein schnelllebiger Roman, durch den ich regelrecht hindurchgeflogen bin und der trotzdem genügend Raum hatte, um in die Tiefe zu gehen.

Ein klug konstruierter Roman über die Macht von Bildern, vorschnelle Urteile und darüber, dass hinter dem, was wir zu sehen bekommen, eine ganz andere Geschichte stecken kann. Mich hat „Most Hated Girl“ von Anfang bis Ende überzeugt.