Most Hated Girl – ein Psychothriller, der unter die Haut geht und nachdenklich zurücklässt.

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leseeuletati Avatar

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Die 19-jährige Odette lernt eher zufällig den 80-jährigen Amos kennen. Zwischen den beiden entsteht eine außergewöhnliche Freundschaft, die zwei einsame Seelen miteinander verbindet. Gemeinsam starten sie sogar erfolgreich einen TikTok-Kanal. Für viele Zuschauer wirkt ihre Beziehung liebevoll und vertraut, fast wie zwischen Enkelin und Großvater.
Bis zu dem Tag, an dem Odette vor laufender Kamera brutal auf Amos einschlägt und ihn schließlich ermordet …

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Buch hat mich einfach umgehauen. Selbst nach der letzten Seite war ich noch völlig perplex und sprachlos. Ich musste die Geschichte erst einmal sacken lassen.
Der Autorin ist ein unglaublich intensiver und erschreckend realistischer Psychothriller gelungen. Besonders beeindruckt hat mich, wie eindringlich sie beschreibt, wie psychische Gewalt funktioniert und wie ein Opfer langsam, beinahe unbemerkt, in das Netz des Täters gerät.
Es beginnt mit Kleinigkeiten. Mit Regeln, die zunächst vielleicht harmlos wirken. Mit Bemerkungen, die das Opfer verunsichern. Es versteht immer weniger, was es eigentlich falsch macht. Aus kleinen Einschränkungen werden immer größere, aus Unsicherheit werden Selbstzweifel, aus Selbstzweifeln Schuldgefühle und schließlich Angst. Und irgendwann steckt man längst mitten in einem Netz aus Manipulation, Kontrolle und psychischer Gewalt, ohne überhaupt zu merken, wie man dort hineingeraten ist.
Genau das fand ich so erschreckend und gleichzeitig so wichtig.
Durch die Zeitsprünge bekommt man nach und nach Einblicke darin, wie diese ungewöhnliche Freundschaft überhaupt entstehen konnte und wie aus etwas, das zunächst vertraut und liebevoll wirkt, eine Beziehung entstehen konnte, die in brutalen und schockierenden Ereignissen endet. Dadurch setzt sich das Puzzle Stück für Stück zusammen und man versteht immer mehr, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
Leider gibt es noch immer viele Vorurteile gegenüber Menschen, die in Gewaltbeziehungen bleiben oder nicht einfach gehen. Gerade deshalb finde ich dieses Buch so wichtig. Denn genau das ist der Punkt: Ein Opfer kann eine solche Beziehung nicht einfach beenden und davonlaufen. Psychische Gewalt funktioniert gerade deshalb so perfide, weil sie das eigene Denken, die Wahrnehmung und das Selbstvertrauen Stück für Stück verändert.
„Most Hated Girl“ hat mir auf erschreckende Weise gezeigt, wie leicht Manipulation beginnen kann und wie schwer es sein kann, sich daraus wieder zu befreien.

Dieser Thriller ist schockierend, beklemmend, erschütternd und stellenweise kaum auszuhalten. Gleichzeitig ist er unglaublich stark, aktuell und vor allem wichtig. Ein Buch, das nachdenklich zurücklässt.
Für mich definitiv ein absolut lesenswerter Psychothriller und eines dieser Bücher, die man auch nach der letzten Seite nicht so schnell vergisst.