Spannend, intelligent, emotional
Dieses Buch hat mich ziemlich kalt erwischt. Ich hatte einen spannenden Thriller erwartet, bekommen habe ich aber etwas deutlich Düstereres, Emotionaleres und Verstörenderes.
Im Mittelpunkt steht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen der neunzehnjährigen Odette, die nach dem Tod ihrer Mutter völlig allein ist, und dem über achtzigjährigen Amos. Was zunächst fast herzerwärmend wirkt, entwickelt sich durch Social Media zu einem viralen Phänomen. Plötzlich glaubt die ganze Welt, die beiden zu kennen. Doch genau darin liegt für mich das Grundthema des Romans: Man sieht die Menschen, aber man kennt sie deshalb noch lange nicht.
Irgendwann kippt die Stimmung gewaltig. Als das vermeintliche digitale Märchen in einer schockierenden Katastrophe endet, scheint die Schuldfrage zunächst eindeutig. Millionen haben zugesehen, die Bilder sind überall. Und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Warum schweigt Odette? Was hat sie zu verbergen? Und wer ist Amos wirklich?
Je weiter ich gelesen habe, desto öfter musste ich meine Meinung ändern. Das hat mir unglaublich gut gefallen. Die Geschichte spielt geschickt mit Wahrnehmung und Vorurteilen und zeigt, wie schnell wir glauben, einen Menschen zu durchschauen, obwohl wir eigentlich nur einen winzigen Ausschnitt sehen.
Vor allem die Rolle der sozialen Medien fand ich erschreckend realistisch. Aus echten Menschen werden Figuren, aus Tragödien Unterhaltung und aus ein paar Bildern vermeintliche Wahrheiten.
Dabei ist der Roman viel mehr als ein klassischer Thriller. Die kurzen Kapitel und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sorgen für einen enormen Sog. Die anfänglich fast gemütliche Atmosphäre wird immer beklemmender, während die Fassade langsam Risse bekommt. Gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte zu einer überraschend tiefgehenden Auseinandersetzung mit Einsamkeit, Privilegien, Mitgefühl und Trauma.
Odette ist mir besonders ans Herz gewachsen. Ihre kluge, eigenwillige Art und ihre Einsamkeit machen sie zu einer Figur, über die ich ständig nachdenken musste. Auch nach Zuklappen der Buchdeckel.
Und auch Amos sorgt mit seiner widersprüchlichen Persönlichkeit für immer mehr Fragezeichen. Je mehr ans Licht kommt, desto schwieriger wird es, Gut und Böse klar voneinander zu trennen.
Das Finale hat mich schließlich völlig erwischt. Ich war auf vieles vorbereitet, aber nicht darauf, wie emotional und verstörend die letzten Kapitel werden würden. Die Grenzen zwischen Schuld, Gerechtigkeit, Überleben und Trauma verschwimmen, und am Ende bleibt keine einfache Antwort zurück, dafür jede Menge Stoff zum Nachdenken.
Fazit: Ein außergewöhnlich gelungenes Thriller-Debüt: spannend, intelligent, emotional und mit einer Geschichte, die weit über den eigentlichen Mord hinausgeht. Kirsty Lockwood zeigt eindrucksvoll, wie gefährlich es sein kann, Menschen nur durch einen Bildschirm zu betrachten und aus wenigen Bildern eine komplette Wahrheit zu basteln. Großartige Lektüre!
Im Mittelpunkt steht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen der neunzehnjährigen Odette, die nach dem Tod ihrer Mutter völlig allein ist, und dem über achtzigjährigen Amos. Was zunächst fast herzerwärmend wirkt, entwickelt sich durch Social Media zu einem viralen Phänomen. Plötzlich glaubt die ganze Welt, die beiden zu kennen. Doch genau darin liegt für mich das Grundthema des Romans: Man sieht die Menschen, aber man kennt sie deshalb noch lange nicht.
Irgendwann kippt die Stimmung gewaltig. Als das vermeintliche digitale Märchen in einer schockierenden Katastrophe endet, scheint die Schuldfrage zunächst eindeutig. Millionen haben zugesehen, die Bilder sind überall. Und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Warum schweigt Odette? Was hat sie zu verbergen? Und wer ist Amos wirklich?
Je weiter ich gelesen habe, desto öfter musste ich meine Meinung ändern. Das hat mir unglaublich gut gefallen. Die Geschichte spielt geschickt mit Wahrnehmung und Vorurteilen und zeigt, wie schnell wir glauben, einen Menschen zu durchschauen, obwohl wir eigentlich nur einen winzigen Ausschnitt sehen.
Vor allem die Rolle der sozialen Medien fand ich erschreckend realistisch. Aus echten Menschen werden Figuren, aus Tragödien Unterhaltung und aus ein paar Bildern vermeintliche Wahrheiten.
Dabei ist der Roman viel mehr als ein klassischer Thriller. Die kurzen Kapitel und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sorgen für einen enormen Sog. Die anfänglich fast gemütliche Atmosphäre wird immer beklemmender, während die Fassade langsam Risse bekommt. Gleichzeitig entwickelt sich die Geschichte zu einer überraschend tiefgehenden Auseinandersetzung mit Einsamkeit, Privilegien, Mitgefühl und Trauma.
Odette ist mir besonders ans Herz gewachsen. Ihre kluge, eigenwillige Art und ihre Einsamkeit machen sie zu einer Figur, über die ich ständig nachdenken musste. Auch nach Zuklappen der Buchdeckel.
Und auch Amos sorgt mit seiner widersprüchlichen Persönlichkeit für immer mehr Fragezeichen. Je mehr ans Licht kommt, desto schwieriger wird es, Gut und Böse klar voneinander zu trennen.
Das Finale hat mich schließlich völlig erwischt. Ich war auf vieles vorbereitet, aber nicht darauf, wie emotional und verstörend die letzten Kapitel werden würden. Die Grenzen zwischen Schuld, Gerechtigkeit, Überleben und Trauma verschwimmen, und am Ende bleibt keine einfache Antwort zurück, dafür jede Menge Stoff zum Nachdenken.
Fazit: Ein außergewöhnlich gelungenes Thriller-Debüt: spannend, intelligent, emotional und mit einer Geschichte, die weit über den eigentlichen Mord hinausgeht. Kirsty Lockwood zeigt eindrucksvoll, wie gefährlich es sein kann, Menschen nur durch einen Bildschirm zu betrachten und aus wenigen Bildern eine komplette Wahrheit zu basteln. Großartige Lektüre!