Spannender Thriller über die Macht von Social Media

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melinarap Avatar

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Most Hated Girl von Kirsty Lockwood hat mir richtig gut gefallen. Schon die Ausgangssituation fand ich unglaublich spannend: Ein Mord, der mehr oder weniger live im Internet zu sehen ist, und unzählige Menschen, die sofort ein Urteil fällen, obwohl sie überhaupt nicht wissen, was vorher passiert ist oder warum es zu dieser Situation gekommen ist.

Vom Titel hatte ich ehrlich gesagt erwartet, dass der Fokus stärker darauf liegt, wie Odette mit dem Hate und der öffentlichen Kritik umgeht. Natürlich bekommt sie einiges davon ab, aber das war letztendlich gar nicht der Hauptfokus der Geschichte. Viel interessanter fand ich, dass es vor allem darum geht herauszufinden, wie es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte. Man erfährt mehr über die Beziehung zwischen Odette und Amos und darüber, wie die beiden überhaupt zu Internetbekanntheiten wurden und warum so viele Menschen ihnen so begeistert gefolgt sind.

Besonders interessant fand ich dabei, dass sich sowohl durch die Ermittlungen als auch durch die Rückblenden nach und nach zeigt, dass hinter der scheinbar perfekten Geschichte deutlich mehr steckt, als die Social Media Welt glauben lässt. Ich möchte gar nicht zu viel vorwegnehmen, aber genau dieser Aspekt hat mir richtig gut gefallen.

Das Buch zeigt meiner Meinung nach sehr gut, wie sehr Social Media unsere Wahrnehmung beeinflussen kann und wie leicht Situationen im Internet völlig anders wirken oder dargestellt werden können, als sie eigentlich sind. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal über eine Situation geurteilt, nachdem man nur ein kurzes Video oder einen kleinen Ausschnitt gesehen hat. Genau mit diesem Gedanken spielt die Geschichte und ich fand das Thema dadurch unglaublich interessant.

Auch die verschiedenen Perspektiven haben mir sehr gut gefallen. Dadurch bekommt man nach und nach unterschiedliche Teile der Geschichte und kann das Gesamtbild immer besser zusammensetzen.

Odette fand ich als Protagonistin besonders spannend. Sie ist erst 19, weiß selbst nicht wirklich, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte, hat kaum soziale Kontakte und eigentlich niemanden außer ihrer Betreuerin vom Jobcenter. Dazu kommt, dass sie nicht in besonders guten Verhältnissen aufgewachsen ist. Dadurch ist sie in ihrer Situation natürlich besonders leicht zu beeinflussen.

Dann trifft sie auf Amos, einen älteren und wohlhabenden alleinlebenden Mann, der zunächst freundlich und harmlos wirkt. Er sammelt Antiquitäten und lebt in einem großen, schönen Haus und für Odette scheint er zunächst einfach jemand zu sein, der ihr Gesellschaft und Freundschaft bietet. Gerade weil sie so alleine ist, lässt sie sich auf diese Freundschaft ein. Dabei übersieht sie einige Warnzeichen, die dem Leser teilweise deutlich früher auffallen.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls richtig gut gefallen. Die Geschichte lässt sich sehr flüssig lesen und war für mich ein echter Page Turner.

Auch das Cover gefällt mir richtig gut und der Titel passt meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte.

Insgesamt ein richtig spannender Thriller mit einem interessanten Thema, tollen Perspektivwechseln und einer Geschichte, die sehr gut zeigt, wie schnell Menschen im Internet urteilen, obwohl sie eigentlich nur einen winzigen Ausschnitt der Wahrheit kennen.