Vielschichtiger, spannungsgeladener Psychodrama mit einer schrecklichen Wahrheit hinter der Kamera

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
biscoteria Avatar

Von

„Most hated girl“ ist für mich einer der besten Psychologischen Romane des Jahres.

Eine junge Frau und ein 80-Jähriger werden über Nacht bei Social Media berühmt und die Leute wollen immer mehr. Sie liefern und präsentieren sich als die besten generationsübergreifenden Freunde. Doch was ist hinter der Kamera passiert, dass im laufenden Stream Amos tot zu sehen sein wird?

Ich versuche so wenig wie möglich zu spoilern und erkläre eher den Rahmen der Geschichte als den Inhalt. Odette ist nach dem Tod ihrer Mutter tot. Keine Familie, keine Verwandtschaft, keine Freunde. Nur wenige Menschen bezeichnet sie als „Freunde“ wie ihre Sozialarbeiterin beim Arbeitsamt. Als ihr die Obdachlosigkeit bevorsteht, ist es ihr „Glück“ das Amos, den sie vor kurzem erst kennen gelernt hat, ihr anbietet bei ihm zu wohnen.

Amos hilft ihr im Alltag, steht ihr finanziell zur Seite, und bietet an ihr auch auf emotionaler Ebene zu helfen. Der 80-Jährige ist pensionierter Psychologe und sieht schnell, dass Odette kein einfaches Leben hatte.

Doch was ist im Haus von Amos vorgefallen, dass sie nun auf der Polizeiwache sitzt und des Mordes an ihm angeklagt ist?

Wir lesen in der Gegenwart und in der Vergangenheit wie es zu diesem Stream gekommen ist. Wir erleben Odette am Anfang des Buches auf der Beerdigung ihrer Mutter und ihrer verzweifelten Suche nach Anschluss. Nach Bodenständigkeit. Sie ist intelligent, wissbegierig und absolut neugierig auf neuen Informationen. Aber auch sehr respektvoll und versucht niemanden Leid und Schaden zuzufügen, geschweige im Weg zu sein. Wir erfahren wie es von ihrem ersten Treffen mit Amos, bis zu der Aufnahme seines Todes kommt.

In der „Jetzt“ -Zeit, erleben wir wie Odette zur Polizeiwache kommt und lesen aus verschiedenen Sichtweisen, wie die Öffentlichkeit zum Video steht und wie sehr die Polizei versucht sie zum Reden zu bekommen.

Das Buch lies mich die ganze Zeit über mit einer schweren Decke auf sich lesen. Das ist nicht negativ gemeint, sondern ich litt mit Odette mit wie sie da so überfordert, alleine steht, zwingend jeden freundlichen Menschen schon fast als Freund bezeichnet. Dann kommt die Geschichte mit Amos hinzu und die Decke wurde immens schwer. Schnell war mir ersichtlich, worauf es hinauslaufen wird, und dennoch war ich schockiert über den Werdegang.

Für mich ist die Geschichte wahrlich perfekt geschrieben. Die Kapitel aus Odettes Sicht in der Vergangenheit waren nie wiederholend oder langweilig. Sie ging immer weiter mit einem Tempo, welches nicht zu schnell und nicht zu langsam war. Die auf dem Polizeirevier teilweise nur drei bis vier Seiten lang und zeigen wunderbar, wie verzweifelt die Polizei nach Antworten sucht.

Ich habe das Buch mit knapp 100 Seiten an zwei Tagen so schnell weggelesen, weil der Spannungsbogen so hoch gehalten war, dass man nicht aufhören konnte.

Für mich zeigt die Geschichte, wie sehr die Menschen sich von einem netten Lächeln überzeugen lassen, ohne mehr über die Person zu wissen. Das betrifft das wahre Leben natürlich genauso wie die Videos auf Social Media. Für mich ein umwerfend gutes Debüt und ich werde der Autorin auf jeden Fall weiter folgen.