Wenn die Grenzen von Rettung und Abhängigkeit verschwimmen
“Er hatte ihr seine Regeln nie erklärt, aber wenn sie unwissentlich dagegen verstieß, gab er ihr dies nur all zu deutlich zu verstehen.“
'Most Hated Girl' ist ein Buch, das mich gut unterhalten hat, dass nichts falsch macht, dass ich trotzdem übermorgen vergessen haben werde.
Dabei ist es gut geschrieben, und besonders für ein Debüt, sehr souverän. Die Themen sind wichtig und interessant.
Im Mittelpunkt steht die 19-jährige Odette, die isoliert und in Armut aufgewachsen ist, und sich sozial auffällig und unbeholfen durch die Welt bewegt. Sie freundet sich mit einem deutlich älteren, wohlhabenden Mann an, der ihr ein Zuhause bietet. Was zunächst als ungewöhnliche Freundschaft und Rettung aus einer prekären Situation wirkt, entpuppt sich als Spannungsfeld durch das enorme Machtgefälle und führt zunehmend zu emotionalen Missbrauch.
Odette ist dabei eine wunderbare, herzliche Protagonistin. Und während von dem alten Mann, Amos, nicht die Art Charm und Tiefe beim Leser ankommt, die er besitzen soll, ist er dennoch ein gutes Sinnbild dafür, dass es keinen klassischen „Bösewicht“ braucht um in einer missbräuchlichen Situation zu enden. Die Abhängigkeiten, die durch Geld, Alter, Geschlecht, Bildung, sozialen Stand und soziale Erfahrung entsteht, ist deutlich erkennbar.
Auch die Kritik daran, wie Polizei, Behörden und Öffentlichkeit mit marginalisierten Menschen wie ihr umgehen ist durchaus spannend. Schnell wird eine passende Narrative gesponnen, während wichtige Informationen von Menschen, die nicht ins Bild passen, ignoriert werden.
Gerade der „Jetzt“-Strang, der die Ermittlungen betrifft, hätte allerdings Möglichkeit geboten nuancierter und spannender zu sein. Er funktioniert, aber die Botschaft dahinter ist ausgesprochen eindeutig und offensichtlich dargelegt.
Und vielleicht liegt in dieser Kritik mein Problem mit dem Buch: es ist so sauber. Alles funktioniert, die Themen sind interessant und kohärent, die Figurenentwicklung (größtenteils) glaubhaft. Aber kaum etwas erzeugt Reibung, alles fügt sich nahtlos ineinander und ergibt ein glattes, fast idealisiertes Gefüge, wie eine Prämisse dieser Art ablaufen würde. Die Figuren und Ereignisse transportieren ihre jeweiligen Themen und Botschaften: Macht und Abhängigkeit, Vorurteile und gesellschaftliches Versagen. Das funktioniert, und ich finde sogar, dass es gut funktioniert. Aber so entstand bei mir ehr das Gefühl die Lehre einer Geschichte verstanden zu haben, als die Menschen darin kennengelernt zu haben.
Und so habe ich das Gefühl, dass das Buch an sich wenig bleiben Eindruck hinterlassen wird, auch wenn es um ein solides Debüt, mit vielversprechender Thematik handelt.
p.s. Sandra Voss, die das Hörbuch gelesen hat, hat mal wieder einen hervorragenden Job gemacht.
p.p.s. Es ist etwas ärgerlich, dass ein Verlag mal wieder darauf zurückgreift ein Buch als Thriller zu deklarieren, wenn es sich eindeutig ehr um einen Roman / Drama handelt.
'Most Hated Girl' ist ein Buch, das mich gut unterhalten hat, dass nichts falsch macht, dass ich trotzdem übermorgen vergessen haben werde.
Dabei ist es gut geschrieben, und besonders für ein Debüt, sehr souverän. Die Themen sind wichtig und interessant.
Im Mittelpunkt steht die 19-jährige Odette, die isoliert und in Armut aufgewachsen ist, und sich sozial auffällig und unbeholfen durch die Welt bewegt. Sie freundet sich mit einem deutlich älteren, wohlhabenden Mann an, der ihr ein Zuhause bietet. Was zunächst als ungewöhnliche Freundschaft und Rettung aus einer prekären Situation wirkt, entpuppt sich als Spannungsfeld durch das enorme Machtgefälle und führt zunehmend zu emotionalen Missbrauch.
Odette ist dabei eine wunderbare, herzliche Protagonistin. Und während von dem alten Mann, Amos, nicht die Art Charm und Tiefe beim Leser ankommt, die er besitzen soll, ist er dennoch ein gutes Sinnbild dafür, dass es keinen klassischen „Bösewicht“ braucht um in einer missbräuchlichen Situation zu enden. Die Abhängigkeiten, die durch Geld, Alter, Geschlecht, Bildung, sozialen Stand und soziale Erfahrung entsteht, ist deutlich erkennbar.
Auch die Kritik daran, wie Polizei, Behörden und Öffentlichkeit mit marginalisierten Menschen wie ihr umgehen ist durchaus spannend. Schnell wird eine passende Narrative gesponnen, während wichtige Informationen von Menschen, die nicht ins Bild passen, ignoriert werden.
Gerade der „Jetzt“-Strang, der die Ermittlungen betrifft, hätte allerdings Möglichkeit geboten nuancierter und spannender zu sein. Er funktioniert, aber die Botschaft dahinter ist ausgesprochen eindeutig und offensichtlich dargelegt.
Und vielleicht liegt in dieser Kritik mein Problem mit dem Buch: es ist so sauber. Alles funktioniert, die Themen sind interessant und kohärent, die Figurenentwicklung (größtenteils) glaubhaft. Aber kaum etwas erzeugt Reibung, alles fügt sich nahtlos ineinander und ergibt ein glattes, fast idealisiertes Gefüge, wie eine Prämisse dieser Art ablaufen würde. Die Figuren und Ereignisse transportieren ihre jeweiligen Themen und Botschaften: Macht und Abhängigkeit, Vorurteile und gesellschaftliches Versagen. Das funktioniert, und ich finde sogar, dass es gut funktioniert. Aber so entstand bei mir ehr das Gefühl die Lehre einer Geschichte verstanden zu haben, als die Menschen darin kennengelernt zu haben.
Und so habe ich das Gefühl, dass das Buch an sich wenig bleiben Eindruck hinterlassen wird, auch wenn es um ein solides Debüt, mit vielversprechender Thematik handelt.
p.s. Sandra Voss, die das Hörbuch gelesen hat, hat mal wieder einen hervorragenden Job gemacht.
p.p.s. Es ist etwas ärgerlich, dass ein Verlag mal wieder darauf zurückgreift ein Buch als Thriller zu deklarieren, wenn es sich eindeutig ehr um einen Roman / Drama handelt.