Zwischen Likes und Verurteilung

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Der Debütroman „Most hated Girl“ von Kirsty Lockwood hat mich von Anfang an gepackt. Ich hatte das Gefühl, einfach immer weiterlesen zu müssen. Die Geschichte entwickelt eine Spannung, bei der man ständig wissen möchte, wie es weitergeht.

Die Charaktere wirken sehr realitätsnah. Odette hat mich besonders berührt. Ihre Einsamkeit, ihre Verzweiflung, ihre Unbeholfenheit, ihre fast noch kindliche Naivität und ihre Sehnsucht nach Freundschaft werden so authentisch dargestellt, dass sie mir beim Lesen wirklich nahegegangen ist. Die Autorin bringt so viele Gefühle der Protagonistin rüber, ohne sie ausdrücklich zu benennen.
„Inzwischen probt sie kaum noch im Voraus, was sie sagen wollte. Es fiel ihr einfach so ein.“ S. 114
Hier zeigt sich z. B. die Unsicherheit, die Odette gespürt hat. Und endlich konnte sie in der Hinsicht lockerer werden, sicherer, entspannter. Sie konnte an einer Unterhaltung teilnehmen, ohne sich vorher jeden Satz in Gedanken zurechtzulegen.

Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Es ließ sich leicht lesen und war an manchen Stellen geradezu poetisch:
„Die nackte Glühbirne in der Garage, in der er seine Trainingsachen aufbewahrt, warf ein eigenartiges Licht auf ihn, als hätte jemand mit spitzer Feder die Umrisse einer Person aus Sonnenschein gezeichnet.“ S. 162

Das Buch thematisiert einige interessante und wichtige gesellschaftliche Themen. Es geht unter anderem um Vorurteile, Ungerechtigkeit und darum, wie schnell wir uns ein Urteil über andere Menschen erlauben, obwohl wir ihre Geschichte vielleicht gar nicht kennen.
Dadurch regt das Buch nicht nur zum Mitfiebern an, sondern auch zum Nachdenken: Wie oft glauben wir etwas über einen Menschen zu wissen, ohne wirklich zu wissen, was hinter der Fassade steckt? Und wie schnell vergessen wir, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat?
Für mich ist „Most hated Girl“ deshalb nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch ein Buch mit einer wichtigen Botschaft. Ich habe es mit viel Spannung gelesen, gleichzeitig haben mich einige der angesprochenen Themen noch nach dem Lesen beschäftigt.

Erwähnenswert finde ich auch, wie toll die Gestaltung des Buches ist. Auf der Innenseite des vorderen Buchumschlags findet man positive, bewundernde Kommentare aus den sozialen Medien und auf der Rückseite die negativen, verurteilenden, beschimpfenden Kommentare. Das zeigt sehr deutlich, wie schnell heutzutage insbesondere in den sozialen Medien geurteilt wird, wie teilweise Influencer wegen kleinster Fehler „in der Luft zerrissen werden“.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für diesen gelungenen Debütroman.