Hat mich großartig unterhalten

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carma1607 Avatar

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Fabiola wächst im Jahr 1910 als Findelkind in Buenos Aires auf und wird von Nonnen in einem Kloster erzogen. Schon als junge Frau entwickelt sie eine Leidenschaft für Schuhe und Tangotanzen. Aus purem Zufall wird sie etwa 25 Jahre später zur Ikone der argentinischen Freiheitsdemonstrationen erkoren und wird kurzerhand zum politischen Flüchtling. Mit ihrer kleinen Tochter will sie eigentlich mit einem Schiff über den Atlantik in Richtung Paris übersetzen, landet aber auf der kanadischen Insel Upper Puffin.

So beginnt eine ganz ungewöhnliche Lebensgeschichte, die aus der Sicht von Fabiolas Tochter Carmelita - kurz Lita - erzählt wird. Lita ist ein fantasievolles Mädchen, das es faustdick hinter den Ohren hat. An ihren Missgeschicken ist meist ihr unsichtbarer Freund namens Ei schuld. Nachdem Lita ihre beste Freundin Oona kennengelernt hat, schließt sie Upper Puffin ins Herz und lässt sich einiges einfallen, um ihre Mutter von der Weiterreise abzuhalten.

Auf fesselnde Weise erzählt die dänische Autorin Annette Bjergfeldt in "Mr Saitos reisendes Kino" von einer ganz ungewöhnlichen Lebensreise. Es passieren so viele schöne Zufälle, die nicht nur die Geschichte der Hauptfiguren bestimmen, sondern auch die Weltgeschichte bewegen. Ein bisschen wie bei Forrest Gump oder in einem John Irving Buch, allerdings aus rein weiblicher Perspektive und voller Lebensweisheiten erzählt.

Die Perspektive einer kindlichen Erzählerin auf die Welt der Erwachsenen ist sehr unterhaltsam und liebevoll. Schnell sind mir Fabiola, Lita, Oona und die anderen ans Herz gewachsen. Jede Begegnung im Leben von Lita, so klein sie auch zunächst erscheinen mag, wird großen Einfluss auf ihr Erwachsenwerden haben (beispielsweise erscheint der titelgebende Mr Saito erst nach mehr als 100 Seiten).

Trotz der heranwachsenden Hauptfigur ist es keine typische Coming of Age-Story. Schwierigkeiten und schmerzhafte Erfahrungen werden mit einer gewissen Leichtigkeit beschrieben. Der kindliche Optimismus machte das Buch für mich sehr gut und gern lesbar. Das sicherlich schwierige Leben einer mittellosen unverheirateten Frau mit Kleinkind in Argentinien und auf einer abgeschiedenen kanadischen Insel am Anfang des 20. Jahrhunderts war sicherlich hart. Trotzdem lässt mich das Buch mit einem warmen Bauchgefühl zurück. Wer wünscht sich keine solche Kindheit voller Liebe, Freundschaft, selbstgewählter Familie, wunderschöner Natur und voller Freiheiten. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und ich werde es auf jeden Fall weiterempfehlen.