Bitterböse Tragikomödie über den Fluch des plötzlichen Reichtums

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Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt, weil es das verlogene Märchen vom perfekten Lottoglück mit einer herrlich trockenen, britischen Schonungslosigkeit zerlegt. Statt Champagnerlaune und ewiger Sorglosigkeit erlebt man die absolute Entfremdung einer älteren Frau aus der Arbeiterklasse, die sich in einer sterilen Protzvilla in Darras Hall wiederfindet, in der es mehr Toiletten als Bewohner gibt und aus der jede echte Wärme gewichen ist. Während ihr pensionierter Mann Ron im siebten Himmel schwebt, sofort einen knallroten Jaguar kauft und sich in getrennten Betten über unzuverlässige Putzfrauen echauffiert, und der erwachsene Sohn Colin mit fettigen Fingern Ritz-Cracker vor Top Gear in sich hineinstopft und von Lieferdiensten schwärmt, sitzt Edie fassungslos daneben und starrt in ein emotionales schwarzes Loch. Die Szene, in der sie versucht, zu ihren alten Freundinnen zur Ü60-Aqua-Fitness zurückzukehren, nur um eiskalt abserviert zu werden, weil ihr Platz im Kleinwagen längst an die alberne Sue mit dem Haardings vergeben wurde und der Neid die alte Nachbarschaft vergiftet hat, schneidet beim Lesen tief ein.

Die Rückblenden in die Sechzigerjahre bilden dazu das perfekte, bittersüße Gegengewicht: Wie die junge, verklemmte Edie im geliehenen Taftkleid ihrer Mutter im verrauchten Club steht, aus Versehen den Namen Eva nennt, weil sie interessanter wirken will, und sich in den unbeholfenen Mechaniker Ron verliebt, der sich ausgerechnet dieses Eva als Liebesbeweis auf den Unterarm tätowieren lässt – das sprüht vor ehrlicher, lebensnaher Zärtlichkeit und zeigt meisterhaft, worauf ihr ganzes gemeinsames Leben eigentlich aufgebaut war.

Und dann dieser Besuch in ihrem alten Reihenhaus, in dem eine schwangere, überforderte Nachmieterin haust, die Wände in schrillem Violett gestrichen sind und Edie sich anhören muss, wie dreckig und heruntergerockt ihre einstige Heimat doch gewesen sei: Wie sie draußen den kargen Apfelbaum streichelt, den sie selbst gepflanzt hat und den ihr neuer Garten voller geschmackloser Skulpturen niemals ersetzen kann, trifft den Kern wahrer Heimatlosigkeit. Jay McKenzie gelingt hier ein meisterhafter Balanceakt aus beißendem Witz, feiner Gesellschaftskritik und tiefer Melancholie, weshalb ich diesen Roman unbedingt ganz lesen möchte.