Was wäre, wenn wir es zulassen?

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meggie3 Avatar

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Amanda Atkins‘ Leben folgt klaren Regeln und Strukturen. Jeder Tag folgt einem klaren Ablauf. Freitags geht Ms. Atkins nach der Arbeit immer in die Lady Ophelia Harringdale Library, um sich dort drei Sachbücher für die kommende Woche auszuleihen. Als sie feststellen muss, dass die langjährige Bibliothekarin nicht mehr da ist und stattdessen Henry, Teenager und Schüler, an deren angestammtem Platz sitzt, ist sie empört. Henry hat den Auftrag, Ms. Atkins als exklusives Mitglied in einen unscheinbaren Raum an der Kinderabteilung zu führen – den Vorraum zur Bibliothek der Träume. Robert Joy, langjähriges Mitglied in der Bibliothek der Träume, hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Mitglieder in die Geheimnisse der Bibliothek einzuführen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für die sonst so rationale Amanda kommt das alles ein bisschen plötzlich – und so rauscht sie erstmal ab und läuft Xiao Mei dabei fast über den Haufen.

Nach ein bisschen Zeit lässt sich Amanda auf diese ungewöhnliche Bibliothek ein und entwickelt zu Robert fast so etwas wie eine Freundschaft. Und auch die beiden Teenager Henry und Xiao Mei lernt sie besser kennen, die die Bibliothek der Träume oft besucht, um ihren Sorgen zu entfliehen.

Kapitelweise wechseln sich die Perspektiven ab – mal wird Amandas Perspektive beschrieben, mal die von Robert, Xiao Mei oder Henry. Das macht es durchaus spannend. Für mich war es genau richtig viel Magie – für viele, die sich einen Fantasyroman wünschen, wird der Anteil aber vielleicht enttäuschend sein. In erster Linie geht es um die Magie von Träumen, um das Aushalten von Möglichkeiten und dem Zulassen von Nähe und Geschichten – diese Magie ist allgegenwärtig. Darüber hinaus bewegen sich die Protagonist:innen außerhalb der Bibliothek der Träume in der ganz unmagischen Wirklichkeit.

Ich finde das Zusammenwachsen der vier verschiedenen Charaktere zu einer Gruppe toll beschrieben – ohne zu viel Kitsch. Gleichzeitig wird deutlich, dass alle Erlebnisse mit sich tragen, die sie geprägt haben und die sie noch immer belasten.

Sprachlich gefällt mir der Roman super, ich konnte richtig schön abtauchen. Die Türen, hinter denen sich die Träume befinden, und die Bibliothek insgesamt, werden so detailliert beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als sich mittendrin zu fühlen. Dass solche Bilder vor meinem inneren Auge entstehen, passiert sehr selten. Die Charaktere sind ebenfalls bildhaft beschrieben und sind in gewisser Hinsicht relativ klar voneinander abzugrenzen. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass sie zu klischeehaft beschrieben sind.

Im Mittelteil hat mich der Roman leider nicht mehr ganz so gepackt – so richtig kann ich aber nicht sagen, weshalb. Zum Glück war das aber nur ein kurzer Abschnitt – der Schlussteil hat mich dann wieder vollumfänglich gefesselt.

Mir hat der Roman gut gefallen, für mich war es genau das richtige Maß an Fantastischem. Das ist umso höher einzuschätzen, da ich keine Fantasy-Leserin bin.