Potential ist genauso da wie Klischees

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Tammy funktioniert für mich. Sie navigiert ein beschissenes Leben mit dieser müden Pragmatik die sich nicht selbst bemitleidet, und das ohne eine Sekunde performativ zu wirken. Die Szene wo die Sozialarbeiterin ihr erklärt wie toll es ihr doch immer gefallen hat im Camp, und Tammys inneres dreifaches "Nein, hat es nicht." Sowas mag ich gern weil die Figur sich nicht einfach beschwert.
Der Schreibstil macht keine Verrenkungen. Nicht zu blumig (das ist immer so ein Ding für mich), nicht holprig.
Bendix. Schwarzer Junge, eingesperrt, Blut läuft über seine "dunkle Haut." Einmal, beiläufig, als Beschreibung. Ob Bendix eine vollständige Innenwelt bekommt oder hauptsächlich als tragischer Kontrapunkt zu Tammy funktioniert, das kann ich aus der Leseprobe nicht beurteilen. Das wird für mich aber elementar wichtig ob ich das Buch super finde oder in die Ecke schmeissen will.
Was mich wirklich weitertreibt: die Frage was Telepathie mit Identität und Selbstbestimmung macht. Was bedeutet es wenn jemand anderes deine Gedanken empfangen kann? Das ist die interessante Frage. Nicht ob die zwei sich verlieben. (Sie sind vierzehn. Bitte bitte bitte lass das nicht der Aufhänger werden)
Isaac ist im Moment noch sehr nach Schema F. Abweisend, geheimnisvoll, eigentlich tiefer als er zeigt.
Meine ehrliche Befürchtung: die Prämisse hat echtes Potential, aber das Setup riecht nach Standard-YA-Drama mit telepathischen Extras. Das wäre schade. Denn das Fundament gibt mehr her.