Beängstigend emotional.

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marie_d Avatar

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Diese Leseprobe hat auf mich einen sehr unmittelbaren, eindringlichen Eindruck gemacht. Vor allem die Erzählsituation wirkt stark: Mila erzählt so nah, lakonisch und zugleich emotional aufgeladen, dass man sofort in diese postapokalyptische Alltagswelt hineingezogen wird. Gerade weil der Text nicht auf spektakuläre Katastrophenbilder setzt, sondern auf das langsame, genaue Beschreiben des Überlebens, entsteht eine enorme Beklemmung.

Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Leseprobe das Ende der alten Ordnung über den Alltag erfahrbar macht. Die zerstörte Infrastruktur bleibt nicht abstrakt, sondern zeigt sich in ganz konkreten Dingen: Kaffee aus Eicheln, Vorräte, Handarbeit, Nähen, Sammeln, Tauschhandel. Dadurch bekommt die Katastrophe etwas sehr Körperliches und Materielles. Gleichzeitig wirkt das alles nicht nur düster, sondern auch erstaunlich lebendig — weil die Familie sich widersetzt, improvisiert, streitet, weiterlebt.

Mich hat auch die Mischung aus Härte und Zärtlichkeit angesprochen. Einerseits gibt es Wut, Resignation und Angst, andererseits immer wieder Momente von Nähe, Humor und Alltagsritualen. Besonders Beni bringt viel Licht in den Text; durch ihn bekommt die Erzählung etwas Verletzliches, aber auch Hoffnungsvollen. Dass die Erzählerin trotzdem immer wieder an ihrem alten Denken, ihrer politischen Radikalität und ihrer inneren Überforderung reibt, macht sie sehr glaubwürdig.

Stilistisch wirkt die Leseprobe für mich sehr stark durch den rhythmischen, teilweise atemlosen Ton. Die Sätze sind oft lang, fließend und voller Wiederholungen, was gut zu dieser Zwischenwelt passt: zwischen Verdrängung und Einsicht, zwischen Anpassung und Widerstand. Dadurch entsteht ein Sog, der mich beim Lesen sehr mitgenommen hat.