Hoffnungsschimmer in gnadenloser Zeit

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marcialoup Avatar

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Mila lebt in einer Welt nach der absoluten Katastrophe. Das Klima ist chaotisch und die Infrastruktur ist zusammengebrochen.
Ohne Strom, ohne Geschäfte, ohne neue Kleidung lebt Mila mit ihren Eltern und Geschwistern in dem Haus ihrer Großeltern auf dem Dorf, da ein Leben in der Stadt nicht mehr möglich ist.

Sie alle müssen sich von dem Schock noch erholen und in diesem neuen Leben klarkommen, in dem sie nun als Selbstversorger agieren müssen. Nahrung anbauen, Kleidung nähen, Wasser besorgen, ohne Strom leben, kein Benzin, kein Auto, Handys sowieso nicht. Alle müssen sehr erfindungsreich sein, um überhaupt zu überleben!

Diese Szenarien sind realitätsnah dargestellt und auch die Rückblicke der Familie an die Zeit davor bringen unser aller Leben, so wie wir es jetzt haben, in diese Realität, die jederzeit genauso passieren könnte, wenn alles kippt.
Das Buch führt uns vor Augen, an welch seidenem Faden wir hängen mit unserer Art zu leben.
Es beschreibt eine sehr nahe Dystopie.

Gerade Tochter Mila ist sehr involviert, da sie schon vor der Katastrophe intensiv versucht hat, den Klimawandel aufzuhalten. Vegan und plastikfrei leben, fridays-for-future und andere Aktivisten-Demos, bei Einkäufen hinterfragen ob man das wirklich braucht, usw. ...
Sie hat Schul- und -freunde aktiviert mitzumachen. Auch wenn jeder Einzelne zählt, ist es schwer noch etwas zu retten, was schon jahrzehntelang zerstört wurde.
Schade, dass der Mensch erst dann versteht, wie wichtig ein Leben im Einklang mit Natur und Umwelt ist, wenn er selbst in seiner Komfortzone betroffen ist.
Sicherlich sind schon viele sehr umweltbewusst, zähle mich seit Jahrzehnten dazu. Aber der Großteil eben nicht.
Man erfährt viel über Milas Gedanken und ihr Leben jetzt und vorher.

Viele möchten sich auf Politik und Staaten verlassen. Das ist wohl eher Ausrede als Umsetzung, denn wenn jeder von sich aus wirklich etwas tun würde, wären Politik und Staaten gezwungen mitzugehen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Überleben ist einfacher wenn man zuvor schon geübt ist...

Die Geschichte verknüpft das Leben vor der Katastrophe, also vor dem Ende, mit dem Zustand, in dem sie jetzt leben müssen: nach dem Ende. Es liest sich zunächst flüssig und schlüssig.
Stellenweise immer wieder etwas langatmig...
Auch muss man manch grobe und blutige Beschreibungen aushalten können, sei es beim Tier schlachten oder Menschen, die erkrankt sind.
Das Buch schildert es gnadenlos, weil es dann auch gnadenlos ist!
Dem ein oder anderen mag es zu aktivistisch, zu sehr Zeigefinger-Verbot, zu einseitig aus Sicht der Klimakatastrophe geschildert zu sein, aber... es ist doch so! Tatsachen ins Gesicht sehen sind unbequem!

Da viel aus Milas Sicht geschildert wird, könnte es Jugendliche in ihrem Alter gut ansprechen, doch geht es nicht an der älteren Generation vorbei, denn es sind schlussendlich alle betroffen.
Was ein bisschen fehlt ist die Entwicklung, denn das heutige Leben ist viel zu rasant und ressourcenverschwendend, in dem auch die Jugend lebt, was u.a. digitale Toxikation, ex und hopp und Paketversand-Wahnsinn betrifft. Vor vierzig Jahren z.B. war weniger noch Mehr. Dinge wurden repariert, die heute durch Sollbruchstellen schon vorzeitig kaputt gehen und weggeworfen werden. Der Irrsinn ist in die falsche Richtung gelaufen.
Leider ist das Buch im Verlauf auch irgendwie seltsam abgedriftet in Geschichten der Figuren hinein, die ich nicht mehr lesen mochte.
Das letzte Drittel war für mich kein Lesegenuss.