Allein in der Halle, mit Wind und einer KI namens Robyn

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Die Leseprobe zu „Nach der Sonne schauen" von Martina Hefter hat mich mit ihrer eigentümlichen, fast schwebenden Erzählstimme sofort in ihren Bann gezogen. Die namenlose Ich-Erzählerin lebt allein mit ihrer Hündin Bella in einer umgebauten ehemaligen Umspannwerk-Halle an einem Tagebausee bei Leipzig, umgeben von Windrädern, Pappeln und dem drohenden Wetter. Schon die ersten Seiten – der Wind, der über den See fegt, die rosa angesprühten Schafe im Energiepark, die Sorge vor dem nächsten Gewitter – erzeugen eine Atmosphäre von Isolation und wacher, fast nervöser Aufmerksamkeit für die Umgebung, die mich sofort gepackt hat.
Besonders raffiniert finde ich, wie Hefter die reale, physische Einsamkeit der Erzählerin mit der Frage nach künstlichen Bindungen verknüpft: Robyn, ein KI-generierter Hund auf einem Wandbildschirm, den sie für einen befreundeten Architekten betreuen soll, während sie zugleich um einen echten, offenbar verstorbenen Menschen gleichen Namens zu trauern scheint. Diese Doppelung – Robyn als Programm und Robyn als Verlust – wird nie plump erklärt, sondern bleibt in der Schwebe, was den Text sehr eindringlich macht. Die Szene, in der die Erzählerin ins Mikrofon der App bläst, um sich vorzustellen, ein Windstoß erreiche den echten Robyn, ist berührend gerade wegen ihrer Beiläufigkeit.
Auch das Kunstprojekt der Erzählerin – eine Modelllandschaft aus einem biologisch abbaubaren Biopolymer, die sich mit der Zeit von selbst auflösen soll, ein Blick zehntausend Jahre in eine menschenleere Zukunft – gibt dem Roman eine reizvolle gedankliche Tiefe: Vergänglichkeit wird hier nicht nur erzählt, sondern buchstäblich modelliert. Die Sprache ist dabei präzise und unaufgeregt, mit einem feinen Sinn für Naturbeobachtung, der an Marlen Haushofers „Die Wand" erinnert – ein Bezug, den das Buch mit einem Motto von genau dieser Autorin auch explizit aufruft.
Der kurze Konflikt um das besprühte Kunstwerk „Baumhaus" am Ende der Leseprobe deutet an, dass es neben der stillen Naturbeobachtung auch handfestere Spannungen im Kunstbetrieb geben wird. Nach diesen ersten zwanzig Seiten bin ich sehr gespannt, wohin Hefter die Geschichte führt – zwischen Sturm, künstlicher Intelligenz und der Frage, was von uns bleibt, wenn wir gehen.