Ein Wind, der schon mehr weiß als die Erzählerin

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Der Roman kann zunächst durchaus behäbig wirken. Wer schnell mitten in einer Geschichte sein möchte, muss sich gedulden. Denn hier wird nicht mit großen Ereignissen Spannung erzeugt, sondern mit kleinen Irritationen. Ein tätowierter Schlafender taucht in einer Erinnerung auf, später erfahren wir von Robyn – einem künstlichen Hund, der auf einem Bildschirm lebt und der Erzählerin trotzdem erstaunlich nahegegangen ist.
Gerade dadurch entsteht langsam ein Sog: Was stimmt hier nicht?

Der Schreibstil ist ruhig, lakonisch und sehr beobachtend. Die Autorin erklärt wenig und vertraut darauf, dass sich die Bedeutung einzelner Details erst nach und nach erschließt. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel von Natur und Technologie: Auf der einen Seite See, Wind, Bäume und eine verwildernde Landschaft, auf der anderen ein KI-Hund, der beinahe wie ein echtes Lebewesen behandelt wird.

Auch das Kunstprojekt der Erzählerin – eine Landschaft, wie sie in fünftausend Jahren aussehen könnte – fügt sich wunderbar in diese Atmosphäre. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen plötzlich übereinander: ehemaliger Tagebau, heutige Landschaft, eine mögliche Zukunft ohne Menschen.

Die Geschichte kommt also nicht schnell in Fahrt – aber sie beginnt früh, Fragen zu stellen. Und genau das macht den langsamen Einstieg interessant. Es ist ein klassischer Slow Burn: wenig äußere Handlung, dafür eine immer dichter werdende Atmosphäre und das leise Gefühl, dass hinter dieser scheinbaren Ruhe etwas verborgen liegt.

Ob man dafür die nötige Geduld mitbringt, ist sicherlich Geschmackssache. Mich macht gerade diese Behäbigkeit neugierig, weil sie nicht leer wirkt. Man liest weiter, weniger aus dem Wunsch zu erfahren, *was passiert*, sondern weil man wissen möchte, **was hier eigentlich nicht stimmt**.