Auftanken in der Abgeschiedenheit

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Martina Hefters Roman „Nach der Sonne schauen“ erzählt die Geschichte der Installationskünstlerin Iona. Nachdem ein Künstlerkollege ihr berühmtes Kunstwerk mit dem Wort „Bullshit“ besprüht hat, zieht sie sich in eine ehemalige Tagebaulandschaft zurück. Dort findet sie Unterschlupf in der Halle eines Freundes, die einst als Umspannwerk diente. Als ihr eine streunende Hündin zuläuft, schließt sie das Tier sofort ins Herz und nennt es Bella. Die Hündin ist hier ihre einzige Gefährtin, abgesehen von einem virtuellen KI-Hund, der ähnlich wie ein Tamagotchi als App auf einem Bildschirm lebt.
Eigentlich möchte Iona die Abgeschiedenheit nutzen, um zu arbeiten. Ihr schwebt eine Installation vor, die die Welt in fünftausend Jahren zeigt. Doch die Arbeit will ihr nicht recht gelingen.
Eines Tages taucht die junge Nova bei ihr auf und schlägt zunächst ihr Zelt auf dem Grundstück auf. Als der Regen einsetzt, bietet Iona ihr einen Platz im Haus an. Zwischen den beiden ungleichen Frauen entwickelt sich allmählich eine zarte Freundschaft.
In Rückblenden erfahren wir mehr über Ionas Kindheit, die Sommer mit ihren Eltern auf einer Alm und ihre wenigen sozialen Kontakte. Schon damals prägt sie eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, die sich später auch in ihrer künstlerischen Arbeit widerspiegelt.
Besonders beeindruckt hat mich die bildhafte Sprache. Die Schilderungen der Hitzewelle und des scheinbar endlosen Regens haben mich ebenso in ihren Bann gezogen wie Ionas Erinnerungen an das Leben auf der Alm. Einen besonderen Platz nimmt auch ihre Liebe zu Tieren ein, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Für Iona könnte man beinahe folgenden Grundsatz behaupten: Manchmal sind Tiere die besseren Menschen.
Wer sprachlich anspruchsvolle Geschichten über starke Frauen schätzt, wird an diesem Roman seine Freude haben.