Eine atmosphärische Suche nach Orientierung zwischen Hoffnung und Resignation

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belinablack Avatar

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Der neue Roman von Martina Hefter hat mich absolut begeistert.

"Nach der Sonne schauen" beschreibt das, was die Protagonistin Iona Bartschok tut, wenn sie innehalten und sich neu orientieren muss.
Genau hier setzt die Geschichte an: Nach einem Vandalismus-Angriff auf eines ihrer Kunstwerke flieht die Installationskünstlerin aus dem Alltag und zieht sich in eine verlassene Halle im ehemaligen Leipziger Tagebaugebiet zurück. Eigentlich möchte sie dort an einem neuen Projekt arbeiten. Doch was stattdessen geschieht, ist viel weniger greifbar. Die eigentliche Handlung entfaltet sich in der Landschaft, die von der Natur zurück erobert wird, im zufälligen Zusammentreffen mit Menschen und Tieren, die diese durchstreifen, sowie hauptsächlich, im Kopf der Künstlerin. Iona setzt sich intensiv mit sich selbst und den großen Fragen auseinander, die sie und uns bewegen: Was unterscheidet Alleinsein von Einsamkeit? Was macht Kunst aus? Wie stark durchdringt KI bereits unsere Existenz? Und wie sieht eine zukünftige Welt angesichts drohender Klimakatastrophen aus?
Die Autorin springt durch die Zeit, verknüpft Episoden aus Ionas Kindheit, Jugend und Studienzeit mit den gegenwärtigen Beobachtungen. Über allem schwebt eine permanente, unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, die auch für die Protagonistin spürbar, aber nie ganz greifbar wird. Angesichts ihres geplanten Werkes „Die Landschaft in fünftausend Jahren“ schwankt man als Leserin mit der Protagonistin hin und her – zwischen Dystopie und Utopie, zwischen lähmender Resignation und Hoffnung.
Die wahren Hauptdarsteller dieses Romans sind jedoch die Natur und das Wetter. Die Kulisse wird so bildgewaltig beschrieben, dass man sich beim Lesen mitten in diesen Landschaften wiederfindet. Das hat mir außergewöhnlich gut gefallen. Großartig ist auch, wie fast beiläufig Mythologie, feministische Nuancen und treffende Gesellschaftskritik in die Erzählung eingeflochten werden.

Ein rundum gelungenes, atmosphärisches Buch, dem ich aus voller Überzeugung die Höchstwertung gebe.
Vielen Dank an Vorablesen für das Rezensionsexemplar!