Entrückte und poetische Reise in ein Land vor und nach unserer Zeit
"Ich war der festen Überzeugung, dass wir auf einem guten Weg waren. Vielleicht findet man genau so etwas weltfremd."
Für ihr neues Kunstprojekt bezieht die Installationskünstlerin Iona Bartschok eine große Halle im ehemaligen Leipziger Tagebaugebiet. Sie sucht Abstand zur Stadt und gleichzeitig Inspiration für ihre Idee zum Modell "Die Welt in 5000 Jahren". Was sie stattdessen findet, ist ein Hund, den sie Bella nennt, eine unerwartete Verbindung zu einer jungen Tätowiererin, und die große Frage danach, welche Zukunft wir als Menschen überhaupt im Stande sind, uns auszumalen.
Martina Hefter greift in ihrem neuen Roman Themen rund um Klima, Kunst und KI auf und verwebt diese in leisen Tönen zu einer Innenschau ihrer Protagonistin Iona. Neben dem KI-Hund Robyn tritt die echte Hündin Bella in ihr Leben; neben die Idee, die Landschaft des Tagebaugebiets in 5000 Jahren darzustellen, tritt die Wahrnehmung der aktuellen, realen Situation; neben die Einsamkeit und Zurückgezogenheit tritt eine zarte Verbindung zu Nova, einer jungen Tätowiererin, die ganz neuen feministischen Idealen folgt. All das erzählt Hefter in einer Ruhe, mit ganz leisen Tönen, sodass man kaum bemerkt, was für tiefe Themen hier verhandelt werden.
Gerade die Frage danach, was wir uns eigentlich unter einer Zukunft für die Menschheit vorstellen, beschäftigte mich beim Lesen sehr. Wir können nicht wissen, was da kommen wird - wir können nur hier und jetzt sehen, welch schreckliche Konsequenzen der menschengemachte Klimawandel bereits hat. Das zeigt sich im konkreten Umfeld von Iona durch eine zuerst anhaltende Dürre, dann durch starke, nicht enden wollende Regenfälle, und insbesondere durch immer unberechenbarer werdende Stürme. Auch ihre Kindheit und Jugend in der Alpenregion war durchzogen von menschlichen Tragödien, die vom Klimawandel begleitet sind: Lawinenabgänge, abrutschende Berghänge, verdorrende Wälder, Brände, fehlender Schnee, schmelzende Gletscher, übertretende Flüsse, Tschernobyl. Ein einziges menschliches Leben kann unendlich viele solcher kleinen und großen Katastrophen beinhalten - wir müssen dafür quasi gar nicht in die Zukunft blicken.
Das lässt Iona auch immer weiter von ihrem Projekt abrücken. Es fühlt sich nicht mehr tragfähig an. Stattdessen beschäftigt sie sich mit ihrer Hündin Bella, mit Nova, manchmal auch mit dem reinen Überleben in der Halle. Ein Vorfall, der eines ihrer erfolgreichsten Kunstwerke betrifft, treibt sie zusätzlich um und lässt sie hinterfragen, was Menschen anderen Menschen antun, was Kunst ist, gerade im Zeitalter von KI, wann man selbst jemals 'genug' ist. Dass bei dem Vorfall ein männlicher Künstler die weibliche Kollegin attackiert hat, ist zwar nicht das Hauptthema das Konflikts, zeigt aber, dass auch brennende gesellschaftliche Themen wie Sexismus und Patriarchat wieder eine Rolle spielen in Hefters neuem Roman.
Wunderschön mäandert die Sprache dahin, ich habe mich in diesem Fluss aus Erzählung förmlich verloren. Eine tiefe Liebe spricht daraus, zu allem, das gerade lebt und hoffentlich noch leben wird. Die Namen der Figuren verleihen dem Erzählten einen Hauch Mystik: Iona, Herto, Nova, Leto, Kim, Oluf. Ungewöhnliche Namen, die antik anmuten, wie schon Juno und Jupiter in "Hey, guten Morgen, wie geht es dir?" Der Hirsch auf dem Cover, der auch in der Geschichte eine Rolle spielt, fängt diese Ebene wunderbar ein, genauso wie die Erzählungen aus Ionas früherem Leben. Ein in jedem Falle besonderes Leseerlebnis, das mir sehr gefallen hat.
Für ihr neues Kunstprojekt bezieht die Installationskünstlerin Iona Bartschok eine große Halle im ehemaligen Leipziger Tagebaugebiet. Sie sucht Abstand zur Stadt und gleichzeitig Inspiration für ihre Idee zum Modell "Die Welt in 5000 Jahren". Was sie stattdessen findet, ist ein Hund, den sie Bella nennt, eine unerwartete Verbindung zu einer jungen Tätowiererin, und die große Frage danach, welche Zukunft wir als Menschen überhaupt im Stande sind, uns auszumalen.
Martina Hefter greift in ihrem neuen Roman Themen rund um Klima, Kunst und KI auf und verwebt diese in leisen Tönen zu einer Innenschau ihrer Protagonistin Iona. Neben dem KI-Hund Robyn tritt die echte Hündin Bella in ihr Leben; neben die Idee, die Landschaft des Tagebaugebiets in 5000 Jahren darzustellen, tritt die Wahrnehmung der aktuellen, realen Situation; neben die Einsamkeit und Zurückgezogenheit tritt eine zarte Verbindung zu Nova, einer jungen Tätowiererin, die ganz neuen feministischen Idealen folgt. All das erzählt Hefter in einer Ruhe, mit ganz leisen Tönen, sodass man kaum bemerkt, was für tiefe Themen hier verhandelt werden.
Gerade die Frage danach, was wir uns eigentlich unter einer Zukunft für die Menschheit vorstellen, beschäftigte mich beim Lesen sehr. Wir können nicht wissen, was da kommen wird - wir können nur hier und jetzt sehen, welch schreckliche Konsequenzen der menschengemachte Klimawandel bereits hat. Das zeigt sich im konkreten Umfeld von Iona durch eine zuerst anhaltende Dürre, dann durch starke, nicht enden wollende Regenfälle, und insbesondere durch immer unberechenbarer werdende Stürme. Auch ihre Kindheit und Jugend in der Alpenregion war durchzogen von menschlichen Tragödien, die vom Klimawandel begleitet sind: Lawinenabgänge, abrutschende Berghänge, verdorrende Wälder, Brände, fehlender Schnee, schmelzende Gletscher, übertretende Flüsse, Tschernobyl. Ein einziges menschliches Leben kann unendlich viele solcher kleinen und großen Katastrophen beinhalten - wir müssen dafür quasi gar nicht in die Zukunft blicken.
Das lässt Iona auch immer weiter von ihrem Projekt abrücken. Es fühlt sich nicht mehr tragfähig an. Stattdessen beschäftigt sie sich mit ihrer Hündin Bella, mit Nova, manchmal auch mit dem reinen Überleben in der Halle. Ein Vorfall, der eines ihrer erfolgreichsten Kunstwerke betrifft, treibt sie zusätzlich um und lässt sie hinterfragen, was Menschen anderen Menschen antun, was Kunst ist, gerade im Zeitalter von KI, wann man selbst jemals 'genug' ist. Dass bei dem Vorfall ein männlicher Künstler die weibliche Kollegin attackiert hat, ist zwar nicht das Hauptthema das Konflikts, zeigt aber, dass auch brennende gesellschaftliche Themen wie Sexismus und Patriarchat wieder eine Rolle spielen in Hefters neuem Roman.
Wunderschön mäandert die Sprache dahin, ich habe mich in diesem Fluss aus Erzählung förmlich verloren. Eine tiefe Liebe spricht daraus, zu allem, das gerade lebt und hoffentlich noch leben wird. Die Namen der Figuren verleihen dem Erzählten einen Hauch Mystik: Iona, Herto, Nova, Leto, Kim, Oluf. Ungewöhnliche Namen, die antik anmuten, wie schon Juno und Jupiter in "Hey, guten Morgen, wie geht es dir?" Der Hirsch auf dem Cover, der auch in der Geschichte eine Rolle spielt, fängt diese Ebene wunderbar ein, genauso wie die Erzählungen aus Ionas früherem Leben. Ein in jedem Falle besonderes Leseerlebnis, das mir sehr gefallen hat.