Entschleunigter Roman, der nachhallt

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Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich über den Sommer ins Leipziger Umland zurück und wählt dafür eine Halle in einer ehemaligen Tagebaulandschaft. Abraumhalden, einsame Lage und ein immerwährender Wind - hier will sie ein neues Projekt angehen, ein utopisches Kunstwerk mit dem Titel "Die Landschaft in fünftausend Jahren". Zudem sucht sie Ruhe und auch ein wenig Abstand, als ihr neues Bauprojekt von einem Maler mit dem Wort "Bullshit" besprüht wird.
Begleitet wird sie von einem virtuellen Hund, der über eine App wie ein Tamagotchi versorgt werden muss.
Viel passiert nicht in dem Roman, man begleitet Iona beim Einkauf, bei ihren Überlegungen und wie sie von der Landschaft des ehemaligen Tagebaues inspiriert wird. Aus ihrer Isolation wird sie - erst unwillig, später dann gerne - nur von dem Hund Bella und Nova, die Nichte des Vermieters gerissen und sie muss auf die äußere Welt reagieren.
Erwähnung finden auch Simone Weil, insbesondere ihr spirituelles Werk "Schwerkraft und Gnade" und die Prinzessinn von Ukok, eine 2500 Jahre alte Mumie, die u.a. mit dem Hirschen mit einem Greifsschnabel tätowiert war. Dieser HIrsch, der auch auf dem Cover des Buches zu sehen ist, symbolisiert im Roman Freiheit und Unabhängigkeit und dient darüber hinaus als Erkennungszeichen Gleichgesinnter. Wenn man die mythologische Gestalt des Hirsches mit dem Schnabel eines Greifvogels googelt, so wird dies wie folgt beschrieben: Verschmelzung zweiter mächtiger Symboltiere mit gegensätzlichen Welten und Eigenschaften.
Einen feministischen Touch bekommt der Roman auch durch die Erwähnung der 4B-Bewegung in Südkorea. Diese Bewegung ist radikalfeministisch und meidet jegliche Beziehung zu Männern.
Sprachlich ist der Roman eindringlich und präzise, die Beschreibungen des Wetters, der Umgebung lassen eine leichte Melancholie aufkommen. Thematisch geht es um die Schnelligkeit der Welt, soziale Interaktion mit der KI, Einsamkeit und die Frage der Selbstfindung im gegenwärtigen Chaos.

Erst im Nachhinein hat sich der Roman für mich erschlossen und ließ mich während des Lesens rätseln, was Hefter dem Leser/der Leserin eigentlich vermitteln möchte. Insgesamt habe ich den Roman gerne gelesen.