Ruhige und schön

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bokjente Avatar

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Mit „Nach der Sonne schauen“ legt Martina Hefter einen ruhigen, atmosphärischen Roman vor, der weniger von seiner Handlung als von seinen Figuren, Gedanken und seiner besonderen Sprache lebt. Im Mittelpunkt steht die Installationskünstlerin Iona, die sich nach einer persönlichen und künstlerischen Krise in eine ehemalige Industriehalle im Leipziger Umland zurückzieht. Doch ihre selbst gewählte Einsamkeit bleibt nicht lange bestehen: Eine zugelaufene Hündin, ein digitaler Begleiter und die junge Nova bringen nach und nach wieder Leben in ihren Rückzugsort.

Besonders gelungen sind die poetische Sprache und die eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen, die der vom Tagebau geprägten Umgebung eine ganz eigene Präsenz verleihen. Hefter behandelt dabei Themen wie Kunst, Einsamkeit, Nähe, gesellschaftlichen Wandel und Klimawandel auf nachdenkliche Weise. Auch die Entwicklung Ionas, die sich langsam wieder anderen Menschen öffnet, fand ich überzeugend dargestellt.

Allerdings erfordert der Roman etwas Geduld. Die Handlung bleibt über weite Strecken sehr ruhig, manche Passagen wirken etwas ausgedehnt und die häufigen Rückblicke können den Lesefluss gelegentlich bremsen. Zudem erscheinen einige gesellschaftliche Themen stellenweise etwas zu deutlich in die Geschichte eingewoben.

Insgesamt ist „Nach der Sonne schauen“ ein sprachlich schöner, ungewöhnlicher und stimmungsvoller Roman, der nicht jede Leserin und jeden Leser gleichermaßen begeistern wird. Wer atmosphärische, eher leise Bücher mit Tiefgang und Einblicken in das Künstler*innenleben schätzt, wird hier jedoch eine interessante und nachhallende Lektüre finden.