Schwer zu fassen, aber auch schwer loszulassen

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„Nach der Sonne schauen“ von Martina Hefter ist ein besonderer Roman über das Leben der Installationskünstlerin Iona Bartschok. Ihr Leben und ihre inneren Dialoge werden zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erzählt. Die Sprünge in den Zeitebenen machen es dabei manchmal etwas mühsam, der Geschichte zu folgen. Gleichzeitig vermittelt diese Sprunghaftigkeit doch auch die innere Unruhe von Iona.

Vorrangig geht es um Iona, die den Sommer über ins Leipziger Umland zieht, genauer gesagt in eine ehemalige Tagebau-Region. Dort befindet sich ein riesiger künstlicher See, umgeben von künstlich erschaffenen Hügelnmit Windrädern, die unaufhörlich blinken und schon von Weitem zu sehen sind. Ganz in der Nähe liegt ein riesiger Energiepark voller Solarpaneele, dazwischen ein paar Schafe. Iona kommt vorübergehend in einem ehemaligen Umspannwerk unter, das nur „die Halle“ genannt wird. Sie möchte die Gegend genauer kennenlernen, denn ihr schwebt ein neues Kunstprojekt vor: Sie will modelieren, wie all das hier in 5000 Jahren aussehen könnte.

Doch so richtig findet Iona nicht in ihr Projekt hinein. Stattdessen bleibt sie oft lethargisch zurück und findet Halt in ihrem neuen simplen Alltag: Schwimmen im See, Himbeerpflücken oder die gelegentlichen Fahrradausflüge zum Einkaufen. Gesellschaft hat sie in Form eines digitalen Hundes, der irgendwann Konkurrenz von einem echten Hund bekommt, der ihr zugelaufen ist.

Man könnte fast behaupten, dass das Wetter in diesem Buch eine weitere Hauptperson ist. Ständige Winde, Stürme und heftige Regenfälle wechseln sich mit Hitze, extremer Trockenheit und Dürre ab. Iona und ihre Stimmung scheinen mit dem Wetter mitzuschwingen, und stellenweise fühlt sich diese Verbindung beinahe erdrückend an. Die Natur ist dabei nicht einfach nur Kulisse, sondern bestimmt zunehmend die Atmosphäre und auch Ionas Wahrnehmung ihrer Umgebung.

Als eines ihrer wichtigsten Kunstwerke mutwillig von einem Kollegen beschädigt wird, gerät Iona in einen regelrechten Tunnel aus Gedanken. Ausgerechnet dieses Kunstwerk ist ein Abbild dessen, was sie als Kind schon einmal gebaut hat. Sprunghaft kehren wir immer wieder zu ihrer Kindheit auf der Alm zurück, zu ihrer Beziehung zu den Kühen und, auch hier wieder, zum Wetter und seinen Extremen. Der Einfluss ihrer Vergangenheit ist dabei immer stärker spürbar.

Das Buch ist sehr prägnant und präzise geschrieben. Man hat das Gefühl, dass kein Wort zu viel und keines zu wenig verwendet wurde. Und doch schafft es die Autorin, einen vollkommen in Ionas Gedanken hineinzuziehen. Man schwebt fast mit ihr durch die Halle, durch ihre Kindheit und ihre Kunst und erkundet gemeinsam mit ihr die neue Umgebung auf der Suche nach Antworten.

Vieles bleibt vage und undurchdringlich, stellenweise bedrückend und doch legt sich eine gewisse Ruhe über die Geschichte. Vielleicht ist es gerade diese Mischung, die den Roman so besonders macht: Man versteht nicht immer, wohin Iona mit ihren Gedanken geht, und doch folgt man ihr bereitwillig.

Ein schwer zu fassendes Buch, das mit seiner dichten Atmosphäre durchaus Spannung erzeugt und einen immer weiter mitzieht.