Wenig Handlung und trotzdem toll geschrieben

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sine16 Avatar

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In "Nach der Sonne schauen" von Martina Hefter verbringt die Ich-Erzählerin Iona Bartschok, eine gut fünfzigjährige Installationskünstlerin, einige Monate in einer alten Industriehalle "in the middle of nowhere". Eigentlich möchte sie dort ihr nächstes Werk, eine Installation über die "Landschaft in fünftausen Jahren", vorbereiten bzw. machen, doch irgendwie bekommt sie nicht so richtig die Kurve. Da steckt zum einen noch die Wut und der Frust in ihr, nachdem ein anderer Künstler eines ihrer Kunstwerke absichtlich beschädigt hat. Zum anderen kümmert sie sich in Absprache mit ihrem Vermieter zunächst um einen KI-Hund, nur um kurz darauf "Bella", eine echte Hündin, zu finden, die sie bei sich aufnimmt. Schließlich taucht auch noch Nova, die ca. zwanzigjährige Nichte des Vermieters auf, die mehr oder weniger ungefragt ebenfalls bei Iona in der Halle einzieht und zu der sie nach und nach ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.
Während Iona von ihrem nicht sehr aufregenden Alltag in dieser einsamen Gegend berichtet, springen ihre Gedanken oft scheinbar willkürlich in die Vergangenheit. Wir erfahren zum Beispiel von ihrer Kindheit auf einer Alm im Allgäu, aber auch Näheres über den "Vorfall", bei dem ihr Kunstwerk, ein Baumhaus, beschädigt wurde.
Dies mag angesichts der nicht sehr ergiebigen Handlung alles etwas banal und eintönig klingen, doch Martina Hefter hat so einen guten Schreibstil, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen mag. Man kann sich total gut in die Protagonistin hineinversetzen. Auch erfährt man im Laufe des Romans, was es mit dem sonderbaren Hirsch auf dem Buchcover auf sich hat. Leicht befremdlich fand ich eigentlich nur die ganzen ungewöhnlichen Namen, wie z.B. Nova, Zia, Leto, Oluf... - lediglich der Vermieter heißt "Franz".
Ein schönes Buch mit durchaus "Tiefgang", das sich sehr gut liest!