Wenn das Leben zurückkehrt

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kat-yes Avatar

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Mit „Nach der Sonne schauen“ hat Martina Hefter einen Roman geschrieben, der sich kaum in eine klassische Erzählform pressen lässt, und genau das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Statt einer geradlinigen Handlung erwartet den Lesenden eine stille, präzise Beobachtung unserer Gegenwart, die zugleich immer wieder einen Blick in eine mögliche Zukunft wirft.

Im Mittelpunkt steht die Installationskünstlerin Iona Bartschok, die sich für einen Sommer ins Leipziger Umland zurückzieht. Inmitten einer ehemaligen Tagebaulandschaft, geprägt von künstlichen Seen, Abraumhalden und ständigem Wind, möchte sie an einem neuen Projekt arbeiten. Gleichzeitig braucht sie Abstand. Denn ein Maler hat eines ihrer bedeutendsten Kunstwerke, ein Baumhaus, öffentlich beschädigt und mit dem Wort „Bullshit“ besprüht. Iona richtet sich in einer umgebauten Industriehalle ein und scheint zunächst entschlossen, die Welt möglichst auf Abstand zu halten. Gesellschaft leistet ihr ausgerechnet Robyn, ein digitaler Hund, den ihr Vermieter auf einem Bildschirm installiert hat. Ich fand diese Figur erstaunlich faszinierend. Eigentlich dürfte man einen KI-Hund kaum ernst nehmen, und trotzdem entwickelt Robyn etwas fast Rührendes. Diese eigenartige Mischung hat für mich einen ganz besonderen Reiz. Dann taucht mit Bella plötzlich eine echte Hündin auf, die beschließt, bei Iona zu bleiben. Als Hundefan hatte Bella bei mir natürlich sofort gewonnen. Und schließlich steht auch noch Nova vor der Tür, die kämpferische Nichte des Vermieters. Stück für Stück dringt damit das Leben wieder in Ionas sorgsam gewählte Abgeschiedenheit ein.

Besonders beeindruckt hat mich Martina Hefters Sprache. Sie ist präzise und eindringlich, dabei aber niemals schwerfällig. Ihre Erzählerin betrachtet die Welt mit einer Mischung aus Melancholie, feiner Ironie und philosophischer Neugier. Kunst, Klimawandel, Einsamkeit, Vergänglichkeit und Technik greifen ineinander, ebenso die Frage, wo Leben eigentlich beginnt und ob sich Lebendigkeit überhaupt eindeutig definieren lässt.

Sehr gelungen fand ich auch die Rolle der Natur. Wind, Regen und zunehmende Wetterextreme bilden nicht einfach nur eine Kulisse, sondern scheinen Ionas innere Verfassung zu spiegeln. Je stärker draußen die Elemente werden, desto weniger lässt sich auch das Leben aus ihrer Halle und aus ihren Gedanken fernhalten. Passend dazu ist das Cover: Es wirkt eigenwillig, kunstvoll und ein wenig rätselhaft. Für mich passt es hervorragend zu diesem Roman, der sich ebenfalls nicht auf den ersten Blick entschlüsseln lässt.

Martina Hefter zeigt mit „Nach der Sonne schauen“ erneut, warum sie zu den außergewöhnlichsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt. Es ist ein kluger, atmosphärischer und sprachlich versierter Roman, der nicht laut spricht, aber dennoch nachhallt. Mir hat er ausgesprochen gut gefallen, und ich empfehle ihn sehr gerne weiter.