Wie das Leben so vor sich hin plätschert

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hapedah Avatar

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Iona Bartschok ist Installationskünstlerin, nach 25 Jahren wird ihr größter Erfolg, die detailgetreue Nachbildung des Baumhauses ihrer Kindheit, erneut ausgestellt. Nachdem ein anderer Künstler ihr Werk öffentlich mit dem Wort "Bullshit" besprüht hat, erhofft sie sich in einer abgelegenen ehemaligen Industriehalle im Leipziger Umland, die sie für einige Monate gemietet hat, neue Inspirationen zu finden. Lediglich ein virtueller Hund leistet Iona Gesellschaft, bis ihr eines Tages eine echte Hündin zuläuft. Als auch noch Nova, die junge Nichte ihres Vermieters, bei der Halle ankommt, ändert sich Ionas Tagesablauf grundlegend, im Alltag zwischen Lebensmitteleinkäufen, Gesprächen und Gartenarbeit gewinnt Iona zwar den erhofften Abstand, verliert aber mehr und mehr den Bezug zu ihrem geplanten Projekt.

"Nach der Sonne schauen" von Martina Hefter ist ein Roman, dessen Schreibstil mich zwar von Anfang bis Ende gefesselt hat, dessen Sinn sich mir allerdings auch Wochen nach dem Leseerlebnis noch nicht so recht erschließen will. Dabei hat die Autorin mit Iona eine Protagonistin geschaffen, die mir durchaus sympathisch war, ich habe sie gern durch die Wochen und Monate ihres Rückzugs begleitet, die gedanklichen Reisen in die Vergangenheit haben mein Bild von ihr abgerundet. Auch Ionas emotionale Zerfaserung zwischen den täglichen Verrichtungen, der Sorge um die Hündin Bella, den verdrängten Schock über die Entweihung ihres Erstlingswerkes und der Suche nach Inspiration für die geplante Installation fand ich greifbar dargestellt, ich hatte den Eindruck sie immer besser zu kennen.

Und dennoch konnte ich mich des widersprüchlichen Gefühls nicht erwehren, dass das Leben für sie monatelang etwas belanglos vor sich hin plätscherte, nachdem inzwischen einige Zeit vergangen ist, fällt es mir sogar schwer, mir das Buch emotional und inhaltlich wieder ins Gedächtnis zu rufen. Rückblickend kommt es mir so vor als hätte ich einen Ausschnitt aus Ionas Leben betrachtet ohne dabei einen konkreten Anfang und ein Ende zu empfinden, obwohl ich der Gerechtigkeit halber schon erwähnen möchte, dass die Hauptfigur schlussendlich durchaus eine Entscheidung für die nähere Zukunft trifft.

Fazit: Diese Geschichte hat mich mit widersprüchlichen Emotionen zurück gelassen, einerseits war ich über die gesamte Lesezeit hinweg gefesselt, andererseits habe ich die Handlung recht belanglos empfunden, obwohl ich zwischenzeitlich tief in Ionas Alltag versunken war und auch nicht behaupten kann, dass ihr Sommer in der alten Industriehalle zu keinem gedanklichen Ergebnis für sie geführt hätte.