Wie viel Nähe braucht ein Mensch?

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jens1991 Avatar

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Martina Hefter erzählt in „Nach der Sonne schauen“ von der Installationskünstlerin Iona Bartschok, die sich für einen Sommer in eine alte Industriehalle im Leipziger Umland zurückzieht. Nach der Beschädigung eines ihrer wichtigsten Kunstwerke braucht sie Abstand und möchte in der vom ehemaligen Tagebau geprägten Landschaft an einem neuen Projekt arbeiten. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei. Zunächst bekommt sie mit einem Bildschirmhund Gesellschaft, dann läuft ihr die Hündin Bella zu und schließlich steht auch noch Nova, die junge Nichte ihres Vermieters, vor ihrer Tür. Während draußen der Wind weht und immer wieder heftige Regenfälle über die Landschaft ziehen, drängt sich auch das Leben langsam wieder in Ionas Rückzugsort. Dabei geht es um Kunst, Einsamkeit, Klimawandel, gesellschaftliche Veränderungen und vor allem um die Frage, wie viel Nähe ein Mensch eigentlich braucht.

„Nach der Sonne schauen“ ist kein Roman, der von einer großen Handlung lebt. Vielmehr sind es die Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen Ionas, die die Geschichte tragen. Martina Hefter schreibt dabei in einer sehr besonderen, ruhigen und poetischen Sprache, die mir grundsätzlich gut gefallen hat und eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Gleichzeitig hat mich der Roman nicht immer gleichermaßen erreicht. Manche Passagen waren mir etwas zu ausführlich und gerade die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben den Lesefluss für mich stellenweise erschwert. Auch einige der gesellschaftlichen und politischen Themen wirkten auf mich etwas zu deutlich in die Geschichte eingebaut. Trotzdem hat mich das Buch immer wieder zum Nachdenken gebracht, gerade über Einsamkeit, Nähe und die Frage, wie wir mit der Welt um uns herum umgehen. Besonders schön fand ich, wie sich Iona im Laufe der Geschichte langsam wieder dem Leben öffnet. Insgesamt ist „Nach der Sonne schauen“ für mich ein ruhiger, ungewöhnlicher und sprachlich schöner Roman, der sicher nicht jedem gefallen wird, bei mir aber einige Gedanken hinterlassen hat, die noch eine Weile nachwirken.