Zwei Welten

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pawlodar Avatar

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Zwei Welten entfalten sich vor den Augen des Lesers: die Welt, wie sie ist und von der Ich-Erzählerin vehement abgelehnt und verurteilt wird, und im Kontrast dazu eine Welt, wie sie von ihr imaginiert, ersehnt und gefordert wird.

Naheliegend, dass durch dieses Verfahren eine geballte Ladung Zivilisationsmüdigkeit evoziert wird, durchsetzt von reichlich Selbstgerechtigkeit und dem erhebenden Gefühl, zu den Guten zu gehören, auf der richtigen Seite zu stehen.

Das gute Leben sehen wir verwirklicht in den Kindheitserinnerungen der Erzählerin, das einfache Leben auf der Alm, mit Kühen und Kälbchen, und selbstverständlich wird das Vieh in dieser Umgebung nicht ausgebeutet, sondern darf, wenn die nutzbringende Zeit der Milchproduktion abgelaufen, ihr Dasein auf einem Gnadenhof beschließen. Das erste Baumhaus, vom Kind nur halb bewusst erschaffen, stellt eine Manifestation dieser rückhaltlos als gut erachteten Existenz dar.

Das zweite Baumhaus, die ‚Installation’ der inzwischen zur Künstlerin gereiften Protagonistin, spiegelt dieses verlorene Paradies, und die Profanisierung durch den selbstgewissen Kollegen und Konkurrenten umreißt früh im Roman die kritisierte und gehasste Gegenwelt.

Und diese Polarisierung verfolgt die Autorin mit ermüdender Konsequenz: der KI-geschaffene Hund Robyn wird in Kontrast gesetzt zu der zugelaufenen realen Hündin Bella, die Vertiefung in die intellektuellen Erkenntnisse von Simone Weil setzt sich ab gegen die hirn- und ahnungslosen Verhaltensweisen der nur zufällig die Einsamkeit störenden Individuen, angefangen mit der egoistischen Nova, endend mit den verhinderten Festivalbesuchern.

Metapher für das Zugrundegehen einer nach Sinn und Schönheit gierenden Existenzform sind die extremen Wetterlagen, die landschaftlichen Auswirkungen des aufgegebenen Tagebaus und, als Klimax, die persönlich erlittenen Konsequenzen der Tschernobyl-Katastrophe.

Wer als Rezipient die Standpunkte einer engagierten Literatur befürwortet, mag dieses Werk als befriedigend erachten, wem es um eine weniger schematische Darstellung zu tun ist, legt die Lektüre eher distanziert aus der Hand.