Paris, mon amour

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azur.blau.liest Avatar

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Ich lese selten Prologe zweimal. Hier habe ich es getan.

Lucien Marant setzt einen in 1999 ab und lässt einen nicht mehr los. Die Szene am Gare de l'Est ist so atmosphärisch dicht, dass man den frühherbstlichen Pariser Morgen fast riechen kann – und gleichzeitig spürt, dass da etwas Schmerzhaftes in der Luft hängt, das noch nicht ausgesprochen wurde. Dann springt Kapitel 1 zurück, sechs Monate früher, und zeigt uns Mona mit ihrem roten Koffer und der falschen Metrolinie. Dieser Aufbau funktioniert wunderbar: Man weiß bereits, dass es wehtun wird, und schaut trotzdem zu.

Marant schreibt ruhig, bildreich, fast ein bisschen altmodisch – aber nie langsam. Die Beschreibung des Montmartre-Viertels, wie Mona es sich jahrelang in Hamburg auf der Karte vorgestellt hat und wie die Realität dann doch ganz anders aussieht: Das ist schlicht sehr gutes Schreiben über das Reisen und das Ankommen.

Thibauld und Lou sind nach wenigen Seiten lebendig – er charmant-nervig, sie chaotisch-herzlich. Beide fühlen sich sofort wie echte Menschen an, keine Romanfiguren.

Was mich am meisten neugierig macht: Was ist 1999 passiert? Zwanzig Jahre Abstand, und trotzdem läuft Mona ihm direkt in die Arme. Das ist kein Zufall – und Marant weiß genau, dass wir das wissen.