Der Pflanzenkeim eines Sommers

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Das Buchcover von "Narbenmädchen" zeigt eine lilafarbene Blüte, die aufgegangen ist. Der Hintergrund ist schwarz. Genauso lässt sich Laras Leben derzeit beschrieben: Sie ist umgeben von Dunkelheit. Doch langsam, ganz langsam entsteht ein Pflanzenkeim, erste Triebe und zarte Blätter. Lara macht eine bewusste Entwicklung durch, schöpft Mut und Lebenswillen.

Bogenberger schreibt einfühlsam und ist nah dran an ihren Hauptcharakteren. Dadurch nimmt sie mich mit auf deren Gedankenreisen, tief auch in ihre inneren Konflikte. Es ist berührend, welche Sorgen und Selbstzweifel sie beschäftigen. Erzählt wird dies stets in einem intensiven, emotionalen Ton. Dabei ist die Sprache auch sehr den Jugendlichen angepasst, teilweise sehr grob und abwertend. Dadurch wirkt es für mich noch authentischer, macht mich aber auch betroffen: Wie selbstzerstörerisch sich die Gedanken über die eigene Person wie selbstverständlich formen. Ich kann mich gut in Lara, Neo und Finn einfühlen und empfinde Mitgefühl mit ihrem individuellen Schicksal. Leider wird es viele so verlorene, einsame und gebrochene Jugendliche da draußen geben, die innerlich schreien und die dennoch niemand sieht. Es ist berührend und deswegen auch so wichtig, dass es offen in diesem Buch ausgesprochen wird.

Dieser Roman wird aus Laras Perspektive geschrieben, ihre inneren Monologe heben sich kursiv vom übrigen Inhalt ab. Lara schildert die vierwöchige Zeit der Kur so wie sie jene empfindet, was ihr und ihren beiden Freunden sowie den anderen Jugendlichen während des Aufenthalts widerfährt. Das Ende ist relativ offen gehalten, es gibt aber auch einen hoffnungsvollen Ausblick für Lara. Sehr im Fokus steht Selbstreflexion, Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstliebe und Freundschaft. Die letzten Seiten enthalten Anlaufstellen für Menschen, die Hilfe benötigen - sehr gut in diesem Kontext.