Ein Buch, das weh tut
Jeder hat in der Familie oder im näheren Umkreis ein Kind, das sich schneidet, sich selbst verletzt. Es ist schlimm. Schlimm für die Jugendlichen, die diesen Schmerz zum Überleben brauchen, aber genauso schlimm für die Familienangehörigen, die dieses Verhalten nicht verstehen können. Dieses Buch ist wie ein Weckruf. Es rückt den Fokus auf einen lang totgeschwiegenen Brennpunkt im Leben unserer Kinder.
Lara, in diesem Buch, hat das Gefühl, dass die Eltern sie nicht verstehen, nicht verstehen wollen. Der Vater geht sofort auf Distanz, ist nie für seine Tochter da, scheut sich, ihr richtig zuzuhören, denn das würde bedeuten, sich zu involvieren, sich für seine Tochter einzusetzen. Lara versucht, ihm den Sachverhalt zu erklären, seine Reaktion: “Lara, wir reden da wann anders drüber, ja?” Mein Vater klingt kein bisschen betroffen, nur leicht genervt.” (S. 339).Also, der Vater erfährt, dass seine Tochter sexuell belästigt wurde vom Freund der Mutter und er nimmt das Gesagte nicht wahr, ist genervt. Dann fügt er hinzu: “Ich dachte nur, du lernst in der Kur vielleicht, dich nicht mehr so auf dieses eine Thema zu fixieren.” (s. 339) Und dann bricht er das Gespräch ab, weil er angeblich einen Termin hat. Noch einmal zum Verstehen: Der Vater erfährt, dass seine fünfzehnjährige Tochter sexuell belästigt wird und er tut das mit “dieses eine Thema” ab u nd gibt faktisch ihr die Schuld. Der Vater, der sie eigentlich beschützen sollte.
Die Mutter? Ich-bezogen bis zum Limit, ruft Lara an, nur um über sich selbst zu sprechen. In keinem der Mutter-Tochter Dialoge, ob telefonisch oder direkt, fällt ein Satz, in dem die Mutter nicht über sich spricht. “Ich” ist die Vokabel, die die Mutter am häufigsten verwendet. Außerdem lässt sie Lara nie zu Wort kommen. Vielleicht hat sie Angst, die Wahrheit zu erfahren. Denn die Mutter hat einen neuen Freund, der sich an Lara heranmacht. Und das kann die Mutter nicht vertragen. Der Freund sagt, Lara, mit ihren 15 Jahren, hätte sich an ihn rangemacht. Die Heldenmutter glaubt lieber dem Stecher, denn sonst müsste sie ihn rauswerfen und das will sie nicht. Lieber auf die Tochter verzichten, sie in eine geschlossene Abteilung der Psychiatrie einweisen und so das Problem, sprich ihre Tochter, loswerden.
Die einzige, die einigermaßen Verständnis für Lara aufbringt, ist ihre Tante. Leicht oberflächlich, leicht banal, aber immerhin. Und die einzige, die Lara keine Vorwürfe macht.
Das Personal in dieser Einrichtung, in der sich Lara derzeit befindet? Die gehen alle den Weg des geringsten Widerstandes. Vom Leiter, bis zur Psychologin und die anderen Betreuer. Lara ist verletzt, sie muss in die Notaufnahme, sie wird ohne Begleitung in ein Taxi gesetzt und sie muss allein in die Notaufnahme fahren. Was wäre passiert, wenn sie zum Bahnhof gefahren wäre und von dort, wer weiß wohin? Sie ist 15 Jahre alt. Kein Schaffner hätte sie aus einem Zug geworfen, weil sie ohne Fahrkarte fährt. Wann hätten die Betreuer gemerkt, dass sie nicht zurückgekehrt ist?
Was Lara Mut macht und ihr Auftrieb gibt, sind andere Jugendliche, mit denen sie sich austauschen kann. Der eine ist stark suizid gefährdet, der andere Drogen anhängig. Sie fangen sich gegenseitig auf, sprechen ehrlich über ihre Probleme, richten sich auf. Etwas, was mit Laras Eltern nicht geht. Und weder mit dem Kursleiter noch der Psychologin, oder den Betreuern. Lara und ihre neu gewonnenen Freunde beschließen auch eine Strategie, wie sie in Verbindung bleiben können, auch nachdem diese drei Wochen Kur vorbei sind.
Viele der Eltern, die im Buch agieren, benötigen eigentlich selbst Hilfe oder eine Kur in einer Kurklinik für verhaltensauffällige Eltern. Sie merken nicht, wie sie mit ihrem Verhalten den Kindern und Jugendlichen mehr Schaden zufügen, als ihnen zu helfen.
Das Buch endet mit ausführlichen Listen zu Hilfe- und Anlaufstellen, wo sich Kinder, Jugendliche und auch Eltern Hilfe holen können. Diese Listen sind unterteilt in Hilfestellen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Finde ich gut.
Lara, in diesem Buch, hat das Gefühl, dass die Eltern sie nicht verstehen, nicht verstehen wollen. Der Vater geht sofort auf Distanz, ist nie für seine Tochter da, scheut sich, ihr richtig zuzuhören, denn das würde bedeuten, sich zu involvieren, sich für seine Tochter einzusetzen. Lara versucht, ihm den Sachverhalt zu erklären, seine Reaktion: “Lara, wir reden da wann anders drüber, ja?” Mein Vater klingt kein bisschen betroffen, nur leicht genervt.” (S. 339).Also, der Vater erfährt, dass seine Tochter sexuell belästigt wurde vom Freund der Mutter und er nimmt das Gesagte nicht wahr, ist genervt. Dann fügt er hinzu: “Ich dachte nur, du lernst in der Kur vielleicht, dich nicht mehr so auf dieses eine Thema zu fixieren.” (s. 339) Und dann bricht er das Gespräch ab, weil er angeblich einen Termin hat. Noch einmal zum Verstehen: Der Vater erfährt, dass seine fünfzehnjährige Tochter sexuell belästigt wird und er tut das mit “dieses eine Thema” ab u nd gibt faktisch ihr die Schuld. Der Vater, der sie eigentlich beschützen sollte.
Die Mutter? Ich-bezogen bis zum Limit, ruft Lara an, nur um über sich selbst zu sprechen. In keinem der Mutter-Tochter Dialoge, ob telefonisch oder direkt, fällt ein Satz, in dem die Mutter nicht über sich spricht. “Ich” ist die Vokabel, die die Mutter am häufigsten verwendet. Außerdem lässt sie Lara nie zu Wort kommen. Vielleicht hat sie Angst, die Wahrheit zu erfahren. Denn die Mutter hat einen neuen Freund, der sich an Lara heranmacht. Und das kann die Mutter nicht vertragen. Der Freund sagt, Lara, mit ihren 15 Jahren, hätte sich an ihn rangemacht. Die Heldenmutter glaubt lieber dem Stecher, denn sonst müsste sie ihn rauswerfen und das will sie nicht. Lieber auf die Tochter verzichten, sie in eine geschlossene Abteilung der Psychiatrie einweisen und so das Problem, sprich ihre Tochter, loswerden.
Die einzige, die einigermaßen Verständnis für Lara aufbringt, ist ihre Tante. Leicht oberflächlich, leicht banal, aber immerhin. Und die einzige, die Lara keine Vorwürfe macht.
Das Personal in dieser Einrichtung, in der sich Lara derzeit befindet? Die gehen alle den Weg des geringsten Widerstandes. Vom Leiter, bis zur Psychologin und die anderen Betreuer. Lara ist verletzt, sie muss in die Notaufnahme, sie wird ohne Begleitung in ein Taxi gesetzt und sie muss allein in die Notaufnahme fahren. Was wäre passiert, wenn sie zum Bahnhof gefahren wäre und von dort, wer weiß wohin? Sie ist 15 Jahre alt. Kein Schaffner hätte sie aus einem Zug geworfen, weil sie ohne Fahrkarte fährt. Wann hätten die Betreuer gemerkt, dass sie nicht zurückgekehrt ist?
Was Lara Mut macht und ihr Auftrieb gibt, sind andere Jugendliche, mit denen sie sich austauschen kann. Der eine ist stark suizid gefährdet, der andere Drogen anhängig. Sie fangen sich gegenseitig auf, sprechen ehrlich über ihre Probleme, richten sich auf. Etwas, was mit Laras Eltern nicht geht. Und weder mit dem Kursleiter noch der Psychologin, oder den Betreuern. Lara und ihre neu gewonnenen Freunde beschließen auch eine Strategie, wie sie in Verbindung bleiben können, auch nachdem diese drei Wochen Kur vorbei sind.
Viele der Eltern, die im Buch agieren, benötigen eigentlich selbst Hilfe oder eine Kur in einer Kurklinik für verhaltensauffällige Eltern. Sie merken nicht, wie sie mit ihrem Verhalten den Kindern und Jugendlichen mehr Schaden zufügen, als ihnen zu helfen.
Das Buch endet mit ausführlichen Listen zu Hilfe- und Anlaufstellen, wo sich Kinder, Jugendliche und auch Eltern Hilfe holen können. Diese Listen sind unterteilt in Hilfestellen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Finde ich gut.