Negative Gefühle

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signalhill Avatar

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"Narbenmädchen" von Lilly Bogenberger ist ganz klar ein Jugendbuch, nicht aber unbedingt sofort als solches zu erkennen. Vielmehr erinnert mich das Cover eher an einen Thriller. Das Thema macht es aber bald sehr deutlich, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ebenso die Sprache aus der Sicht der Protagonistin Lara. Diese ist ein fiktionaler Charakter, ich hatte beim Lesen aber stets das Gefühl, die Autorin hat dies vielleicht selbst so oder ähnlich erlebt und Lara ist oder ähnelt Lilly.

Der Roman lässt sich gut lesen, doch die Themen sind hart: Lara praktiziert selbstverletzendes Verhalten und kann auch nicht einfach damit aufhören, wie man das scheinbar glaubt. Hilfe bekommt sie in der zwangsverordeneten Kur nicht, ihre Mutter denkt auch lieber zuerst an sich selbst, hätte sie nicht Freundschaft mit ein paar Jungs aus der Klinik geschlossen...Alle haben unterschiedliche Probleme, und so werden die Lesenden mit sehr vielen Problemen konfrontiert.

Obwohl die Probleme der Jugendlichen gut nachvollziehbar sind, fand ich niemanden wirklich sympathisch, auch nicht die Protagonistin Lara. Sie rennt ständig zum Rauchen (und auch mal zum Trinken), was ja auch kein Wunder ist, da sie auch zuhause sogar in ihrem Zimmer rauchen durfte - und das mit 15! Auch sonst war sie für mich keine Sympathieträgerin. Auch die sehr saloppe Sprache hat mir nicht gefallen, es gibt nicht einen korrekten Kausalsatz, auch die Wortwahl fand ich nicht immer schön, obwohl sie für Lara sicher angemessen war.

So wurde mir während des Lesens klar, dass "Narbenmädchen" sicher einer jüngeren Zielgruppe besser gefallen würde, obwohl ich sonst auch gern Jugendromane lese. Doch würde ich den Roman Jugendlichen gern empfehlen? Ich würde dies nicht tun, weil er mir einfach zu negativ scheint, realistisch zwar möglicherweise schon, aber ich möchte ihn niemandem empfehlen, weil ich beim Lesen stets ein sehr bedrückendes Gefühl hatte. Vor allem für selbst Betroffene würde ich "Narbenmädchen" nicht empfehlen. Es gibt dann sicher noch andere gute Literatur. Die Warnung der Autorin am Anfang des Buches finde ich aber gut und wichtig.