Verletzlich, ehrlich, nah dran

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backlistbaddie Avatar

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"Narbenmädchen" ist kein leichtes Buch und genau das macht es so eindrücklich.

Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Lara, die in einer Kurklinik mit ihren psychischen Belastungen konfrontiert wird. Selbstverletzung, innere Zerrissenheit und die Suche nach Zugehörigkeit ziehen sich durch die Geschichte. Besonders die Beziehungen zu anderen Jugendlichen geben dem Roman emotionale Tiefe und zeigen, wie wichtig Verbindung in solchen Situationen sein kann.

Stark ist vor allem die Darstellung von Laras Innenleben. Ihre Gedanken wirken roh, ehrlich und oft schmerzhaft nachvollziehbar. Der Schreibstil passt dazu gut, manchmal schonungslos direkt, manchmal fast lakonisch. Dadurch entsteht eine intensive, aber auch belastende Atmosphäre, die einen nicht so schnell loslässt.

Gleichzeitig hat genau diese konsequente Perspektive auch ihre Grenzen. Durch den Fokus auf Lara wirkt die Erzählung stellenweise etwas eng und repetitiv, wodurch man als Leser gelegentlich auf Abstand gerät.

Trotzdem bleibt es ein sehr bewegender Roman, der wichtige Themen wie psychische Gesundheit und Selbstverletzung ernst nimmt, ohne sie zu vereinfachen. Kein angenehmes Buch im klassischen Sinn, aber eines, das nachhallt und zum Nachdenken zwingt.