Nervensystem hat einen Rauchmelder
Spannung im klassischen Sinn gibt es bei einem Sachbuch natürlich nicht, aber der Aufbau trägt. Die beiden Alltagsszenen am Anfang von Kapitel 1, das Sofa am Donnerstagabend und das Meeting am Dienstagmorgen, haben mich sofort abgeholt, weil man sich darin wiedererkennt. Danach führt die Autorin Schritt für Schritt von der Beobachtung zur Erklärung, und die Reflexionsfragen am Ende laden wirklich zum Innehalten ein. Figuren im Sinne einer Geschichte gibt es nicht, aber das „Du“ als Hauptfigur funktioniert erstaunlich gut.
Positiv aufgefallen ist mir, dass die Autorin die Polyvagaltheorie nicht unkritisch verkauft. Sie weist darauf hin, dass einzelne Annahmen wissenschaftlich unterschiedlich bewertet werden, und formuliert vieles vorsichtig („kann“, „in diesem Modell“). Das schafft Vertrauen. Gleichzeitig bin ich gespannt, wie belastbar die späteren Kapitel mit dem Quellenverzeichnis am Ende sind und ob die Trainingsteile wirklich so konkret werden, wie versprochen.
Ich würde gern weiterlesen, weil das Buch eine Frage stellt, die viele kennen: Warum tun wir Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns nicht guttun? Besonders neugierig bin ich auf Teil II zu Prägung und Schutzreaktionen und auf die praktischen Übungen in Teil IV. Wenn die Autorin hält, was die Leseprobe verspricht, könnte das ein verständlicher und alltagstauglicher Einstieg in das Thema Selbstregulation sein.