Nordischer Fördewind, leise Melancholie und ein wunderbar eigenwilliger Ermittler

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roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

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Dieser Einstieg hat mich atmosphärisch sofort tief hineingezogen! Andreas Izquierdo beweist hier wieder einmal sein großartiges Gespür für Stimmungen: Diese nächtliche Szenerie an der Flensburger Förde – der steife Wind, das schwere, dunkle Wasser und das tragische Scheitern des Protagonisten – geht einem direkt unter die Haut. Das ist kein reißerischer Reißbrett-Schocker, sondern fängt mit einer echten, bitteren Schwere an, die emotional sofort greift.

Was mir an diesem Auftakt ganz besonders gefällt, ist die Hauptfigur Mads: Ein Trauerredner im altmodischen Dreiteiler, der berufsbedingt ein feines Gespür für menschliche Abgründe und Abschiede hat, bringt als Ermittlerfigur einen herrlich unverbrauchten Blickwinkel mit. Wenn er den Schmerz von Hinterbliebenen beschreibt oder über die Funktion von Erinnerungen nachdenkt, hat das eine psychologische Tiefe, die man im Krimigenre selten findet. Und die Szenen mit der kleinen Tilly schnüren einem regelrecht die Kehle zu – dieser herzzerreißende Kontrast zwischen kindlicher Unbeschwertheit und der lauernden Realität ist meisterhaft gezeichnet.

Dazu kommt dieser trockene, norddeutsche Humor, der die Melancholie perfekt abfedert: Die kleine, eifersüchtige Malteserhündin Bobby, die knurrende Kommissarin Mills und vor allem Mads’ herrlich durchgeknallter Vater Fridtjof, der im bekleckerten T-Shirt beschließt, ohne Notenkenntnisse Musikpädagoge zu werden. Das bringt genau die richtige Portion Schmunzeln hinein, ohne die Ernsthaftigkeit der Geschichte zu beschädigen.

Der Fall selbst legt mit den rätselhaften letzten Worten der Mutter („Grenzhüter“), der geheimnisvollen Spielkarte und dem Verfolger auf dem Friedhof sofort die richtigen Haken aus. Für mich ist diese Leseprobe ein absoluter Volltreffer: feinfühlig beobachtet, atmosphärisch dicht und mit genau der richtigen Mischung aus leiser Tragik, warmherzigen Figuren und klassischer Krimispannung. Da möchte man sich am liebsten sofort mit einer Decke und einer Tasse Tee aufs Sofa verziehen und weiterlesen!