Was nicht gesagt werden darf, sagen die Karten

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
buchdoktor Avatar

Von

Trauerredner Mads Madsen ist in einer Sommernacht mit Hündin Bobby unterwegs, als vor seinen Augen eine erschöpft wirkende Frau in die Förde stürzt und nicht zu retten ist. Anna Schmidt hat beim Umzug nach Glücksburg offenbar alle Brücken hinter sich abgebrochen und ihrer Tochter Tilly eingeschärft, dass niemand vom vorigen Leben der beiden wissen darf. Die achtjährige Tilly schweigt eisern, kommuniziert jedoch mit Mads auf dem Umweg über Figuren eines Kartendecks, zu denen jeweils ein Vers gehört. Zum Glück für die Ermittlungen hat Anna Schmidt kurz vor ihrem Tod bei Fiete Amelung (für den Mads als Trauerredner arbeitet) ihre Beisetzung bestellt und dort ihre Daten angegeben. U. a. weil Mads mit dem Tod seiner Mutter vor 20 Jahren bis heute nicht abschließen kann, fühlt er sich Tilly besonders verbunden und verspricht ihr, sie nicht im Stich zu lassen und die Trauerrede für Anna zu halten.

Da über die Unterbringung von Kindern in Notsituationen u. a. das Jugendamt zu entscheiden hat, wird sich sein spontanes Versprechen noch als leichtfertig herausstellen. Die Ermittlungen der Polizei wie auch Mads „zufälliges“ Sammeln von Material für die Rede über Anna gehen von der Frage aus, warum eine Frau in ihrer Situation sich das Leben nehmen würde. Mads trifft wieder auf die ermittelnde Kommissarin Louisa Mills, deren Antiaggressionstraining offenbar erfolglos war. Die so verwickelte wie gefährliche Vorgeschichte Annas wirbelt nun offenbar an höheren Stellen Staub auf – und Mads fühlt sich zunehmend verfolgt. --- Zum Rätseln über den Mitarbeiter im Bestattungsunternehmen, den „stillen Herrn Barnady“ , wird sich am Ende des Romans noch ein Kreis schließen.

Fazit
Neben dem spannenden wie originellen Fall wirkt der Handlungsstrang zu Mads unendlichem Kampf gegen seinen exzentrischen Vater eher störend. Dass ein lediger junger Mann spontan eine Neunjährige betreuen darf, scheint mir zwar zu märchenhaft, Tillys verschlüsselte Kommunikation durch ihre Karten finde ich jedoch originell genug für sehr gute 4 Sterne.