Besonderes Debüt!
Mit Niemands Töchter legt Judith Hoersch ein leises, zugleich eindringliches Debüt vor, das sich mit familiären Verstrickungen, weiblichen Lebensentwürfen und den Spuren beschäftigt, die Herkunft und Verlust in einem Menschen hinterlassen.
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von vier Frauen, deren Leben auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. In den 1980er-Jahren wächst Alma in der Eifel auf – als Kind in einer Familie, in der vieles unausgesprochen bleibt. Früh spürt sie, dass sie nicht wirklich dazugehört, doch über ihre Herkunft wird geschwiegen. Jahrzehnte später lebt Isabell in Berlin. Der frühe Tod ihrer Mutter hat eine Leerstelle hinterlassen, die ihr Denken, Fühlen und auch ihr eigenes Familienleben prägt. Als sich die Wege von Alma und Isabell kreuzen, beginnt sich eine Vergangenheit zu öffnen, die lange verborgen war.
Judith Hoersch wählt eine fragmentarische Erzählweise mit häufigen Perspektiv- und Zeitwechseln. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit und kann zu Beginn orientierungslos wirken, doch sie ist zugleich Teil der erzählerischen Idee: Die Geschichte erschließt sich nicht linear, sondern tastend – ähnlich wie die Figuren selbst ihre Biografien zusammensetzen müssen. Nach und nach fügen sich Erinnerungen, Andeutungen und einzelne Szenen zu einem Gesamtbild.
Im Mittelpunkt stehen weniger äußere Handlungen als innere Prozesse. Der Roman kreist um Mutterschaft, Verlust, Schuld, Zugehörigkeit und die Weitergabe von Verletzungen über Generationen hinweg. Dabei bleibt vieles unausgesprochen oder nur angedeutet. Gerade das Ungesagte verleiht dem Text seine besondere Kraft. Hoersch urteilt nicht über ihre Figuren, sondern beobachtet sie mit großer Genauigkeit und Empathie.
Der Stil ist klar, ruhig und zurückhaltend. Ohne Pathos entsteht eine dichte, teils melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt. Die Frauenfiguren gewinnen mit fortschreitender Lektüre an Tiefe und Kontur, ihre inneren Konflikte werden zunehmend nachvollziehbar.
Niemands Töchter ist kein Roman für das beiläufige Lesen. Er verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe familiäre Zusammenhänge einzulassen. Wer sich darauf einlässt, findet jedoch eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wie sehr unser Leben von frühen Erfahrungen geprägt wird – und wie schwierig, aber auch möglich es ist, sich davon zu lösen.
Ein anspruchsvolles, nachdenklich stimmendes Debüt, das lange im Gedächtnis bleibt.
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen von vier Frauen, deren Leben auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. In den 1980er-Jahren wächst Alma in der Eifel auf – als Kind in einer Familie, in der vieles unausgesprochen bleibt. Früh spürt sie, dass sie nicht wirklich dazugehört, doch über ihre Herkunft wird geschwiegen. Jahrzehnte später lebt Isabell in Berlin. Der frühe Tod ihrer Mutter hat eine Leerstelle hinterlassen, die ihr Denken, Fühlen und auch ihr eigenes Familienleben prägt. Als sich die Wege von Alma und Isabell kreuzen, beginnt sich eine Vergangenheit zu öffnen, die lange verborgen war.
Judith Hoersch wählt eine fragmentarische Erzählweise mit häufigen Perspektiv- und Zeitwechseln. Diese Struktur fordert Aufmerksamkeit und kann zu Beginn orientierungslos wirken, doch sie ist zugleich Teil der erzählerischen Idee: Die Geschichte erschließt sich nicht linear, sondern tastend – ähnlich wie die Figuren selbst ihre Biografien zusammensetzen müssen. Nach und nach fügen sich Erinnerungen, Andeutungen und einzelne Szenen zu einem Gesamtbild.
Im Mittelpunkt stehen weniger äußere Handlungen als innere Prozesse. Der Roman kreist um Mutterschaft, Verlust, Schuld, Zugehörigkeit und die Weitergabe von Verletzungen über Generationen hinweg. Dabei bleibt vieles unausgesprochen oder nur angedeutet. Gerade das Ungesagte verleiht dem Text seine besondere Kraft. Hoersch urteilt nicht über ihre Figuren, sondern beobachtet sie mit großer Genauigkeit und Empathie.
Der Stil ist klar, ruhig und zurückhaltend. Ohne Pathos entsteht eine dichte, teils melancholische Atmosphäre, die lange nachwirkt. Die Frauenfiguren gewinnen mit fortschreitender Lektüre an Tiefe und Kontur, ihre inneren Konflikte werden zunehmend nachvollziehbar.
Niemands Töchter ist kein Roman für das beiläufige Lesen. Er verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe familiäre Zusammenhänge einzulassen. Wer sich darauf einlässt, findet jedoch eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Frage, wie sehr unser Leben von frühen Erfahrungen geprägt wird – und wie schwierig, aber auch möglich es ist, sich davon zu lösen.
Ein anspruchsvolles, nachdenklich stimmendes Debüt, das lange im Gedächtnis bleibt.