Die Mutterlücke

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wilde hummel 1 Avatar

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Judith Hoersch gibt ihrem Roman den Titel 'Niemands Töchter', was mich zuerst irritierte, denn jede Frau ist irgend jemands Tochter. Aber zuerst der Überblick. Die Geschichte beginnt in Berlin 1981 und Marie und Leonard verlieben sich. Marie ist schwanger und verbarrikadiert sich und verweigert ihrem geliebten Leonard jeglichen Kontakt. Hier erschien mir die Logik zum ersten Mal nicht nachvollziehbar. Dann springt der Roman im gleichen Jahr zu der nächsten Frauenfigur Gabriele. Diese wird ebenfalls kurz skizziert und Sprung ins Jahr 2019 und die nächste Frau Isabell wird kurz vorgestellt. Später betritt dann Alma die Bühne des Romans. Durch das häufige Springen zwischen den Frauenportraits und den Zeiten entsteht zuerst kein wirklich tiefgründiges und schlüssiges Bild. Alma wurde von Marie als Neugeborenes an Gabriele abgegeben, die zurückgeht zu ihrer Familie in die Eifel und die sich liebevoll um das Kind kümmert. Isabell ist das spätere Kind von Marie. Auch ihre Geschichte wird angerissen (sie verliert ihre Mutter Marie in Indien, wird Ballerina und Mutter von einer Tochter). In diesem Roman werden etwas zu viele Figuren in raschem Wechsel beschrieben und auch die Zeitsprünge und nicht zuletzt das sehr konstruierte Finale lassen zu wenig Tiefgang und Identifikation mit den einzelnen Schicksalen zu. Die eigentliche Konzentration auf lediglich eine Mutter-Kind-Beziehung hätte mir persönlich gereicht und die Beweggründe der Hauptprotagonistinnen blieben irgendwie unglaubhaft. Weniger wäre mehr gewesen. Als Schmöker jedoch lesenswert.