Die undurchdringliche, chaotische Ordnung des Lebens

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cazymonkey Avatar

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Ein Titel "Niemands Töchter" der Bedeutung sucht, so wie die vier Frauen Marie, Gabriele, Alma und Isabell es in diesem Roman in vier Jahrzehnten, in denen wir ihrer Geschichte folgen können, auch tun.
Marie, die gerade zu leben beginnt und 1981 das Glück in Berlin sucht; Gabriele die schmerzlich 2019 an die Vergangenheit mit ihrer Tochter denkt und deren Gegenwart nicht kennt. Alma, die eine Verbindung zu sich und ihrem Platz im Leben sucht und die depressive Isabell, die mit den Polaroids ihrer Mutter ein schwarzes Loch in der Erzählung zu füllen versucht. Manchmal vermag das Schicksal undurchdringliche Wege zu gehen, um verschwiegene Wahrheiten aufzudecken...
Sehr viele Blickwinkel von Mutterschaft werden beleuchtet, sei es die körperlichen Veränderungen, die hormonellen und psychischen Nachwirkungen von Schwangerschaft, der körperliche Schmerz von Geburt, die Verzweiflung von Unfruchtbarkeit, das unfassbar zerreißende Gefühl von Schuld dem Kind gegenüber, sei es aufgrund von Unwahrheiten, die aus Schutz erzählt werden oder weil man sein Kind zur Adoption gibt, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen, oder einfach weil man oft das Gefühl hat alles falsch zu machen und nie die perfekte Mutter ist. Am Ende geht es einzig und allein ums Überleben in einer oftmals unfair erscheinenden Welt!
Nach dem ersten Drittel hatten sich in meinem Kopf leise Vermutungen breit gemacht, wohin die Geschichte der vier Frauen ungefähr führen würde, aber es war sehr interessant erzählt und ich wollte der Auflösung stets näher kommen und so flogen die Seiten dahin!
Obwohl gerade die Thematik von Mutter Tochter Beziehungen am Lesemarkt reichlich ausgeschöpft scheint, wurde ich hier von einer einzigartig, berührenden Geschichte und einem unheimlich emotionalen Zusammenführen der verschiedenen Protagonistinnen überrascht. Besonders beeindruckend war auch die Ausarbeitung von Mut und Klarheit, die alle vier Frauen irgendwann im Laufe der Handlung haben oder erreichen. Ein Fehler bedeutet nicht, nicht doch etwas daraus Lernen zu können, zu wachsen, reflektiert an sich zu arbeiten und Hilfe anzunehmen, das eigene Glück selbst zu suchen und genau das wird manchmal drastisch, manchmal mit feinem Fingerspitzengefühl in vielerlei Ausführungen im Roman von Judith Hoersch transportiert. Auch die Tragik der verschiedenen Schicksale sind fühlbar, traurig, menschlich und nachvollziehbar erzählt, trotzdem schafft sie es, die LeserInnen am Ende mit einer innerlichen Schönheit und Zufriedenheit aus der Geschichte zu entlassen. So verbleibe ich mit der Botschaft von grenzenloser Liebe einer Mutter:
" "Mama?", drang es leise durch das Holz."

Fazit: Die Geschichten der Frauen haben mich tief berührt und besonders das Ende hat mir einige Tränen in die Augen gebracht! Absolut lesenswerter Roman, trotz gefühlt hundertstem Mutter- Tochter Thema!