Ein bewegendes Familiengeflecht

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Judit Hoerschs Roman Niemands Töchter ist ein Werk, das unter die Haut geht. Er erzählt die Geschichte von Alma und Isabell, zwei Frauen, die sich ihr Leben lang als „Niemands Töchter“ empfinden – entwurzelt, auf der Suche nach Zugehörigkeit und nach Wahrheit. Die Handlung entfaltet sich auf mehreren Zeitebenen und verwebt unterschiedliche Lebensgeschichten zu einem dichten Geflecht aus Erinnerungen, Geheimnissen und Verlust.

Hoersch schreibt in einer klaren, poetischen Sprache, die zugleich zart und kraftvoll ist. Die multiperspektivische Erzählweise sowie die verschachtelten Zeitebenen verleihen dem Roman eine besondere Dynamik und Tiefe. Die Figuren sind fein gezeichnet: verletzlich, widersprüchlich und zutiefst menschlich. Zentrale Themen sind das Schweigen innerhalb von Familien, die Last unausgesprochener Wahrheiten und die befreiende Kraft der Ehrlichkeit. Der Roman führt eindrücklich vor Augen, wie wichtig Offenheit gegenüber den Liebsten ist, wie belastend Geheimnisse wirken können und wie kostbar das bewusste Erleben des Lebens ist – denn niemand bleibt für die Ewigkeit.

Ganz persönlich hat mich dieses Buch emotional sehr berührt. Ich habe die Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite mit grossem Interesse und Vergnügen gelesen. Besonders gelungen fand ich, wie nah mir die Hauptcharaktere kamen: Ich konnte mich gut in Alma und Isabell hineinfühlen und hatte das Gefühl, ihnen während der Lektüre sehr nahe zu sein. Die Art und Weise, wie die verschiedenen Erzählstränge zusammengeführt wurden, hat mich überzeugt und der Geschichte eine starke innere Geschlossenheit verliehen.

Niemands Töchter ist ein berührender, nachdenklich stimmender Roman, der lange nachhallt. Er eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die literarische Familiengeschichten mit psychologischer Tiefe schätzen und bereit sind, sich auf eine emotionale Reise einzulassen.