Gelungenes Debüt!

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miss_jenny Avatar

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Mit ihrem Debütroman Niemands Töchter legt Judith Hoersch einen sensiblen und vielschichtigen Familienroman vor, der sich den leisen, aber tiefgreifenden Fragen nach Herkunft, Identität und den unsichtbaren Wunden innerhalb von Familien widmet.

Alma wächst in den 1980er-Jahren in der Eifel auf. Obwohl sie Teil einer scheinbar bodenständigen Familie ist, bleibt ihr Herkunftsgefühl brüchig und über ihre Vergangenheit wird geschwiegen. Jahre später kämpft Isabell mit einer ähnlichen Leerstelle: Das Fehlen ihrer Mutter beeinflusst nicht nur ihre Erinnerung, sondern auch ihr eigenes Familienleben und ihr emotionales Erleben. Zwischen diesen beiden Frauen entfaltet sich ein generationsübergreifendes Geheimnis, welches erst spät ans Licht kommt und zeigt, wie eng Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.

Über vier Jahrzehnte hinweg baut Hoersch ihre Geschichte auf und intensiviert dabei stetig deren emotionale Tragweite für die Protagonistinnen. Die klare Aufteilung zwischen zwei Müttern und zwei Töchtern hält den Roman stets im Gleichgewicht und erlaubt es der Autorin, immer wieder sprenkelhaft entscheidende Informationen preiszugeben, die Leserinnen und Leser dazu einladen, das Gesamtbild aktiv mitzudenken.

Der Schreibstil ist angenehm, ruhig und zugleich eindringlich. Besonders gelungen sind die feinen Parallelen zu historischen Ereignissen wie dem Mauerfall oder der Jahrtausendwende, die nicht bloß als zeitliche Markierungen dienen, sondern die inneren Umbrüche der Figuren spiegeln. Diese Verknüpfung von persönlicher und gesellschaftlicher Geschichte verleiht dem Roman zusätzliche Tiefe.

Niemands Töchter ist ein Buch über das, was verloren geht, über das, was bleibt, und über die Kraft, sich trotz familiärer Prägungen auf die Suche nach dem eigenen Glück zu machen. Der Roman endet in einem stimmigen, berührenden Abschluss, der das zuvor Entfaltete zusammenführt, ohne seine Ambivalenzen aufzulösen. Ein bemerkenswertes Debüt!