Kurzweiliger Roman über Mütter und Töchter

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jules&jude Avatar

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In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg verborgen blieben. 

Der Roman beleuchtet die Schicksale von Gabriele, Alma, Isabell und Marie. Über verschiedene Zeitebenen hinweg entspinnt sich eine Geschichte über Familiengeheimnisse und die Frage, wie die Erfahrungen der Mütter das Leben der Töchter prägen. Es ist eine Suche nach Identität und den Wurzeln, die tief in der Vergangenheit vergraben liegen.

Mein Eindruck von diesem eingängig und durchaus bewegend erzählten Roman ist gemischt. Die Geschichte hat zweifellos das Potenzial, ein tiefgründiges und berührendes Werk zu sein, schöpft dieses jedoch leider nicht voll aus.

Zu Beginn braucht die Geschichte zu viel Zeit, um sich zu entwickeln. Die Einführung der vier Protagonistinnen zieht sich in die Länge und wirkt stellenweise langatmig. Im Gegensatz dazu steht das Ende der Erzählung: Hier geht alles ziemlich schnell, wodurch der Schluss gehetzt und wenig ausgereift wirkt.

Die Erzählung erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Dieser Aufbau hält zwar das Interesse an der Auflösung hoch, schadet jedoch dem Erzählfluss erheblich. Das sprunghafte Wechseln zwischen den Charakteren und Epochen verhindert, dass eine echte emotionale Nähe zu den Figuren entstehen kann – eine Verbindung, die man bei einem so persönlichen Thema eigentlich voraussetzt.

Die Figuren bleiben in ihrer Charakterisierung leider zudem etwas blass und formelhaft. Man hat das Gefühl, sie eher zu beobachten, als mit ihnen zu fühlen. Zudem wirkt das Ende des Romans zu konstruiert und lässt für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, was den Gesamteindruck trübt.

„Niemands Töchter“ ist ein stimmungsvoller und kurzweiliger Roman über die komplizierten Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Trotz des bewegenden Ansatzes fehlt es der Geschichte letztlich an der erhofften emotionalen Wucht. Mehr Fokus auf einzelne Handlungsstränge und eine tiefere Ausarbeitung der Personen hätte dem Buch gutgetan. Ein interessanter Denkanstoß, hinter dessen Möglichkeiten die Umsetzung jedoch zurückbleibt.