Liebs!

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kittyftbarti Avatar

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Ich greife immer gern zu Romanen, die mit mehreren Perspektiven arbeiten und ihre Geschichte Stück für Stück entfalten – und genau das hat dieses Buch für mich auf eine sehr fesselnde Weise getan.

Der Einstieg verlangt ein wenig Aufmerksamkeit: Figuren, Zeitebenen und Perspektiven wechseln recht schnell, sodass ich anfangs kurz gebraucht habe, um mich zu orientieren. Doch genau dieses „Reinfinden“ wurde schnell belohnt, weil sich nach und nach ein immer klareres Bild ergeben hat, das mich dann kaum noch losgelassen hat.

Besonders beeindruckt hat mich, wie geschickt die einzelnen Handlungsstränge miteinander verwoben sind. Auch wenn ich früh eine Ahnung hatte, in welche Richtung sich alles entwickeln könnte, blieb die Spannung konstant erhalten. Das lag vor allem daran, dass viele kleine Details erst nach und nach ihre Bedeutung entfalten und man ständig das Gefühl hat, noch nicht alles zu wissen.

Der Schreibstil ist dabei angenehm klar, gleichzeitig aber sehr nah an den Figuren. Emotionen wirken greifbar, ohne überladen zu sein, und die Sprache findet eine gute Balance zwischen Direktheit und feinen, atmosphärischen Bildern.

Die Figuren selbst tragen die Geschichte für mich maßgeblich. Sie wirken vielschichtig, teilweise widersprüchlich, aber gerade dadurch sehr lebendig. Besonders mochte ich, dass ihre inneren Konflikte und Entwicklungen ernst genommen werden und Raum bekommen. Themen wie Selbstbestimmung, Zugehörigkeit und das Verhältnis zwischen den Generationen schwingen dabei immer wieder mit.

Nicht alles hat sich für mich komplett rund angefühlt – manche Entwicklungen wirkten etwas konstruiert, und an der ein oder anderen Stelle hätte ich mir mehr Tiefe oder Zeit für die Auflösung gewünscht. Auch einige Nebenfiguren blieben für mein Empfinden etwas zu schematisch.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt sehr gepackt. Es ist eine Geschichte, in die man sich gut fallen lassen kann, die emotional berührt und gleichzeitig unterhält. Am Ende fügt sich vieles zusammen, vielleicht etwas „zu“ stimmig – aber genau das hat für mich auch einen gewissen Reiz ausgemacht.

Für mich eine intensive und lohnenswerte Lektüre, die ich besonders denjenigen empfehlen würde, die Freude an vielschichtigen Erzählstrukturen haben und sich gern in komplexe Geschichten vertiefen.