Sehr schöne Geschichte

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melwot Avatar

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Alma und Isabell verbindet etwas, das in ihrem Leben wie ein schmerzhaftes Loch bleibt: ihre Mutter. Die eine ist ohne sie aufgewachsen und hat sie nie kennengelernt, die andere musste viel zu früh Abschied nehmen. Beide sind auf ihre Weise „Niemands Töchter“. In ihrem Debütroman erzählt Judith Hoersch diese Geschichte ruhig und eindringlich – von den ersten Prägungen bis zu dem Moment, in dem sich die Wege der beiden Frauen schließlich kreuzen. Dabei setzt sie nicht auf große Dramatik, sondern auf leise Töne: auf Familiengeheimnisse, Verletzungen, Entscheidungen, die nachwirken, und das Gefühl, im eigenen Leben nach Halt zu suchen.

Mich hat Niemands Töchter trotz des eher gemächlichen Tempos sofort gepackt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Besonders gelungen fand ich die wechselnden Zeitebenen und Perspektiven – normalerweise kann mich so etwas schnell ermüden, doch hier fügt sich alles stimmig zusammen. Beim Lesen hat man das Gefühl, nach und nach immer mehr freizulegen, als würde man Schicht für Schicht einer Wahrheit näherkommen. Auch wenn man relativ früh ahnt, wie die Figuren miteinander verbunden sind, entfalten sich die Gründe und Hintergründe erst nach und nach und machen die Geschichte umso intensiver.

Vor allem die Frauenfiguren haben mich beeindruckt: vier starke, vielschichtige Charaktere, die mir emotional sehr nahegegangen sind. Für mich ist dieser Roman ein echtes Highlight und wird definitiv zu meinen besten Büchern des Jahres zählen.