Von Müttern und Töchtern

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„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch ist ein leiser und bemerkenswerter Debütroman über vier Frauen, die sich an einem Wendepunkt ihres Lebens befinden, als sie sich auf schicksalshafte Weise treffen. Sie müssen sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzten. Es geht um Identität, Selbstfindung, familiäre Bindungen und die Suche nach Zugehörigkeit.
Der Aufbau über vier Jahrzehnte hinweg ist Judith Hoersch gut gelungen. Den Schreibstil fand ich beruhigend und leicht zugänglich, während die Erzählstruktur verschiedener Blickwinkel und Zeiten die Komplexität der Geschichte unterstreicht. Trotzdem flogen die kurzen Kapitel nur so dahin. Was auch an den nahbaren und sympathischen Frauen gelegen haben kann und deren immer deutlicher werdenden Zusammenhänge, die ich entwirren wollte. Ganz besonders gelungen ist Judith Hoersch die Verbindung der Figuren mit dem geschichtlichen Hintergrund. Dadurch gewann der Roman auch an Authentizität. Wenn mit etwas Geduld alle Puzzleteile dann offen liegen, zeigt sich Judith Hoersch großes Kunstwerk.
Ein Roman für all diejenigen, die sich gern mit vielschichtigen Frauenschicksalen, tiefen Emotionen und mit gesellschaftlichen Fragen nach Identität und Zugehörigkeit beschäftigen. Ich kann nur empfehlen, sich die Playlist zum Roman nicht entgehen zu lassen.