Wenn Polaroids zu den Puzzlestücken eines Lebens werden

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annnnnnna Avatar

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Marie, Alma, Gabriele, Isabell – vier Frauen, deren Leben durch eine einzige Entscheidung untrennbar miteinander verbunden sind. Was sie eint, ist der lange Schatten, der dieser Entscheidung folgt.

Die Geschichte entfaltet sich von 1981, als Marie ihre Schwangerschaft bemerkt, bis 2020, als sich in Berlin der Kreis schließt. Rückblicke verweben sich mit den Lebensgeschichten der vier Frauen und erzeugen einen eindringlichen Roman über Verlust, Zugehörigkeit, der Suche nach Identität, nach den eigenen Wurzeln, die einen nie loslassen.

„War es doch möglich, sich nach etwas zu sehnen, das man nie erlebt hatte?“ (Zitat S. 327)

Besonders beeindruckt hat mich die die Feinfühligkeit der Sprache und emotionale Tiefe. Judith Hoersch lässt die Perspektiven wechseln, und doch wirkt jede der vier Frauen unverwechselbar echt. Mit Fehlern, Zweifeln, Verletzungen und einer tiefen Sehnsucht.

Am Ende bleibt das Gefühl, in vier Seelen geblickt zu haben, die sich, ohne es zu wissen, ein Leben lang gesucht haben. Alma und Isabell waren nicht Niemands Töchter, sie sind die Töchter von Marie, der Momentesammlerin.

Für mich ist dieser Roman eine tiefgründige, berührende Lektüre, die die Komplexität von Mutter-Tochter-Beziehungen zeigt und das Gewicht einer einzigen, lebensweisenden Entscheidung spürbar macht. Es ist ein Buch, das man nicht einfach wegliest, sondern weglegt, um zu fühlen, was es mit einem macht.