Wer willst du werden, wenn dein Selbstbild auf Lügen basierte?

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
leselupe84 Avatar

Von

Die Geschichte über Aster und ihre Piratenfamilie, die dem Meer entrissen wird und ihre Freiheit gegen eine vermeintliche Sicherheit eintauscht, startet ziemlich rasant. Obwohl auf den ersten Seiten unglaublich viel passiert, vermittelt R. M. Gray die düster-originelle Weltordnung und ihre Wesen so geschickt nebenbei, dass ich mich ganz selbstverständlich zurechtfand.

Aster ist eine mutige Protagonistin, für die der Schutz ihrer Familie stets an erster Stelle steht. Sie verteidigt sie mit ihrem Leben und ihre harte Vergangenheit ließ sie zu einer Kämpferin werden, die kein Blutvergießen scheut. Dennoch befindet sie sich in einem emotionalen Ausnahmezustand, denn die Trauer um ihren Bruder Owen und die ständige Sorge darum, ob ihre Familie auf dem Anwesen der Bludgraves in Sicherheit ist, lassen sie kaum zur Ruhe kommen. Drohungen in Form von Attentaten zeigen ihr, dass sie stets kurz davorstehen könnte, einen weiteren geliebten Menschen zu verlieren. Zudem fragt sie sich, ob sie Will wirklich trauen und ihm ihr Herz anvertrauen kann.

Zwar weist das Buch zwischendurch kleinere Längen auf und die Geschichte hätte an manchen Stellen gestrafft werden können, aber insgesamt fängt der flüssige Schreibstil die vielen unheimlichen Szenen, besonders zum Schluss hin, enorm bildhaft ein. Aster wird durch Lügen und Geheimnisse getäuscht und als ahnungslose Leserin fühlte ich mit ihr mit, als sie sich selbst nicht mehr über die Vergangenheit definieren konnte und für ihre Zukunft eine neue Identität brauchte, um überhaupt weiterkämpfen zu können. Ich hielt beim Lesen öfter mal die Luft an, musste mich aktiv ans Weiteratmen erinnern und mit diesem vorläufigen Ende habe ich auch in keinster Weise gerechnet. Nur gut, dass Band 2 bereits im März erscheint und ich ihn direkt vorbestellen konnte...