Solides Handwerk, null Überraschungen

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Also. Was funktioniert: die erste Seite hat mich. Fünf Soldaten mit gezücktem Schwert auf ein Mädchen, das Schimmel von Bücherregalen wischt. Kontrast, Spannung, ich will wissen warum. Und Soli beobachtet, analysiert, ruft sich Wissensfragmente aus irgendwelchen Büchern ab statt zu hysterieren. Das Wissen-als-Macht-Motiv. Ich mag das.
Und dann kommt Kapitel 2. Und da ist er.
Der schönste Mann, den sie je gesehen hat. Schwarze Locken die wie Seide glänzen. Goldbraune Haut. Violette Augen. (Natürlich violett.) Und eine schwarze Hose die seine muskulösen Oberschenkel umschließt und "bestimmt vielen der Anwesenden schlaflose Nächte beschert."
Soli steht vor dem König, denkt sie wird hingerichtet, und beschreibt die Oberschenkel dieses Mannes. Ich weiß, YA-Fantasy, ich weiß, Love Interest muss eingeführt werden. Aber das ist ein Rezept, kein Charakter. Eiskalter Blick, gefährliche Schönheit, schlägt einen Soldaten quer durch den Raum weil er eigentlich nett ist. Und Soli denkt innerlich "ich bin keine Beute" und starrt dann seinen Mund an. Dreimal. In zwei Kapiteln.
Was mich wirklich beschäftigt: Soli hat eine Dissoziation. Sie beschreibt es klar, tagelang im Grau verschwinden wenn der Schmerz zu groß wird. Das ist, wenn es ernst genommen wird, ungewöhnlich und interessant für das Genre. Das Buch ist sogar genau dafür gewidmet. Aber ob es das trägt oder nur als dramatischer Plot-Trigger benutzt wird ... das weiß ich nach der Leseprobe einfach noch nicht.
Der Schreibstil ist kompetent, nicht zu blumig, liest sich schnell. Aber dieser Love Interest ist so formelhaft, dass ich nicht glaube, dass das Buch mich überraschen will. Ich glaube das ist etwas was genau manche Leser dieses Genre wollen. Ich nicht.