Enttäuschend

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rileyross Avatar

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Das Konzept von *Nobody’s Quest* hat mir wirklich gut gefallen. Das Wortspiel innerhalb der Prophezeiung klang vielversprechend, und ich war neugierig auf die Geschichte einer Protagonistin, die mit Depressionen kämpft und sich auf eine große Reise begibt. Leider hatte die Umsetzung der Geschichte meiner Meinung nach einige Schwächen, die verhinderten, dass ich eine echte Bindung zu den Charakteren oder der Welt aufbauen konnte.

Die Grundidee des Buches – dass jemand aus den unteren Schichten der Gesellschaft, der über keinerlei magische Kräfte verfügt, der „Auserwählte“ sein kann – ist gut, und die Quest verlieh dem Roman eine klare Struktur. Den Großteil der Reise empfand ich jedoch als langweilig. Es gab kaum eine Spannungssteigerung, und oft hatte man den Eindruck, die Protagonistin sei von einer undurchdringlichen Schutzblase umgeben. Egal, welchen Hindernissen sie völlig unvorbereitet gegenüberstand – meistens kam sie letztlich unbeschadet davon. Auch wenn ich es begrüßte, dass das Thema Depressionen in Form des „Gray Mind“ aufgegriffen wurde, und die Schilderungen der Attacken, die aus Solis eigenem Geist heraus entstanden, gut gelungen fand, wirkte ihr Kampf auf mich doch etwas beschönigt; sie erhielt schließlich enorme Unterstützung von ihrem Umfeld. Die Problematik wurde vorwiegend als innerer Kampf dargestellt, während die Komplikationen, die Depressionen im echten Leben für zwischenmenschliche Beziehungen mit sich bringen können, nur am Rande gestreift wurden.

Besonders schwer tat ich mich mit dem World-Building. Ich hatte das Gefühl, dass es sowohl bei den allgemeinen als auch bei den detaillierten Beschreibungen an Substanz mangelte. Orte und Begriffe wurden eingestreut, ohne dass ein historischer Kontext oder ein Bezugsrahmen geschaffen wurde, sodass es mir schwerfiel, mir ein klares Bild von der Gesellschaft oder dem Setting zu machen. Zudem wurden im Verlauf des Romans immer wieder willkürliche Fakten über das Magiesystem eingeführt, die völlig aus dem Nichts zu kommen schienen. Am Ende des Buches ließen mich „überraschende“ magische Ereignisse kalt, da ich mich bereits daran gewöhnt hatte, dass die Einführung neuer Informationen keinerlei erkennbarer Logik oder Struktur folgte.

Von Anfang an war ich irritiert von Soli. Sie schwankte so schnell zwischen Feigheit und Kühnheit hin und her, dass ich kein wirkliches Gefühl für ihre Persönlichkeit bekam. Auch ihr Hintergrund kam viel zu kurz. Sie bezeichnet Trick beispielsweise als ihren besten Freund, liefert aber keinerlei Details darüber, wie sie sich angefreundet haben oder wie ihre Freundschaft gelebt wurde. Dies ist symptomatisch für die Erzählweise des Romans: Die Hintergrundgeschichte der Charaktere wird eher behauptet als durch Handlungen erlebbar gemacht. Dadurch konnte ich mir kein lebendiges Bild von den Figuren machen und keine echte Bindung zu ihnen aufbauen. Die Nebencharaktere blieben allesamt recht blass; im gesamten Roman gab es vielleicht eine einzige Figur mit moralischen Grauzonen. Sie waren entweder grundlos böse oder so süßlich, dass man davon Karies bekam. Es fehlte an Nuancen, und somit auch an einer differenzierten Auseinandersetzung mit Solis Rolle als „Gray Mind“ – eine Herausforderung, die ihr persönliches Wachstum auf die von mir erhoffte Weise hätte voranbringen können.

Auch wenn die Geschichte des Romans durchaus ohne die romantische Nebenhandlung funktioniert hätte, stand diese ständig im Mittelpunkt. Es gab zwar einzelne Momente, die mir gefielen (etwa als Soli und der Prinz sich als Söldner ausgaben), doch insgesamt konnte mich die Romanze nicht überzeugen. Es handelte sich um klassische „Liebe auf den ersten Blick“, die keinen nennenswerten inhaltlichen Mehrwert für den Roman bot. Zudem traten romantische Szenen oft in Momenten auf, die absolut keinen Sinn ergaben – für mich ein absolutes No-Go in der Literatur. Zwar gab es durchaus Konflikte in der Beziehung, doch diese wirkten sehr klischeehaft; ich hätte mir gewünscht, dass die Dynamik stärker mit Solis Natur als „Gray Mind“ verknüpft worden wäre, um ihr mehr Gewicht zu verleihen. Auf mich als Leserin wirkte es so, als hätten die beiden nie wirklich hinter die Fassade des jeweils anderen geblickt.

Ich wollte diesen Roman wirklich mögen, doch letztlich konnte er mich nicht überzeugen. Ich kann durchaus verstehen, warum andere Gefallen daran finden; er enthält viele Elemente, die ich normalerweise sehr schätze. Doch die fehlende emotionale Bindung zu den Figuren und Schauplätzen hinderte mich daran, wirklich in die Geschichte einzutauchen.